Alles Tatort oder was? So ermittelt ein echter Kommissar des K11

Kassel soll im kommenden Jahr Tatort-Stadt werden. Foto: ARD
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Kassel soll im kommenden Jahr Tatort-Stadt werden. Foto: ARD

Der Leiter des K11 der Kasseler Kripo, Helmut Wetzel, berichtet über seine Arbeit, die mit der eines Fernseh-Tatort-Ermittlers nur wenig gemein hat.

Kassel. Mitten in der Nacht wird der schlafende Kommissar vom Klingeln des Telefons geweckt. Er streckt die Hand verschlafen nach dem Hörer aus und nimmt die Information entgegen, dass ein Mord geschehen ist. Dann wird er in einer kalten Nacht hinausgetrieben um sich zum Tatort zu begeben. "Fast genau so ist es", erklärt Helmut Wetzel, "vorausgesetzt ich habe Bereitschaftsdienst und der Fall verlangt es."

Im Polizeipräsidium Nordhessen erklärte Helmut Wetzel, Leiter des Kommissariats 11 der Kasseler Polizei, wie der Arbeitsalltag der Kripo wirklich aussieht. Denn nicht alles was im Fernseh-Tatort dargestellt wird, passiert den Ermittlern auch bei der Arbeit. "Verfolgungsjagden oder Schusswechsel sind zum Beispiel quatscht, jeder Streifenpolizist lebt gefährlicher als ich", erzählt Wetzel. Aber ähnlich wie die Ermittler im Tatort ziehen auch die Kommissare des K11 alle Register, wenn es darum geht, einen Mord aufzuklären: Das Telefon abhören oder das SEK rufen gehört dazu. "Allerdings sind wir nicht so ‘kaputt’ wie fast jeder Tatort-Ermittler. Die sind entweder Alkoholkrank, leben in Scheidung oder haben andere schwerwiegende Probleme", erzählt Helmut Wetzel, dessen Lieblingsermittler Hanns von Meuffels, aus der "Krimireihe Polizeiruf 110" ist. Die Mitarbeiter des K11 hingegen kehren nach Feierabend liebend gern zu ihren Familien zurück – anders als die meisten Tatort-Ermittler. Der Job sei belastend, aber auf eine andere Weise als im Fernsehen dargestellt.

Situationen wie im Krimi gibt es aber: " Wenn ein Verdächtiger im Vernehmungsraum sitzt, über den man alles zu wissen glaubt und diesem Verdächtigen dann zum ersten Mal gegenüber sitzt, das ist wie im Krimi und echt spannend." Der Leiter des K11 erzählte aber nicht nur aus seinem Arbeitsalltag – er las auch. Zusammen mit Pfarrerin Kerstin Vogt las er im Polizeipräsidium zwei selbstgeschriebene Texte, die er tatsächlich so erlebt hat und die nichts mit wilden Verfolgungsjagden á la Till Schweiger zu tun hatten. In dem Buch "Die erste Leiche vergisst man nicht", wurden die Geschichten von Helmut Wetzel und vielen weiteren Polizisten aus Deutschland auch schon veröffentlicht.

"Auf der einen Seite schreibe ich gerne, auf der anderen Seite schreibe ich, damit die Fälle nicht in Vergessenheit geraten – und ich vergesse gerne mal was", sagt Helmut Wetzel und lacht. Einen Fall den er nicht vergessen kann ist der Mord an Halit Yozgat, "mit diesem Fall habe ich noch nicht abgeschlossen und werde es so schnell auch nicht können."

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