Angst und Verunsicherung: Gastronomen wünschen sich die Gäste zurück

Vor gut zwei Wochen durften die GAstronomen ihre Betriebe wieder für die Gäste öffnen. Und nach Fall der 5-Quadratmeter-Regel dürfen auch mehr rein als bislang. Doch viele trauen sich noch nicht wieder in Restaurants und Bars - obwohl die Abstands- und Hygieneregeln vorbildlich eingehalten werden.

Kassel. „Wir bieten mehr als Speisen, Cocktails und Bier – wir wollen Orte zum Genießen, Entspannen, fröhlich sein“, spricht Akam Kheskawi, der das „Papagayoo“ auf der Kasseler Friedrich-Ebert-Straße betreibt, für seine Branche. Nach schier endlosen Wochen der Schließung hat die Gastronomie seit zwei Wochen wieder geöffnet.

Doch die Gastgeber in Kassel und anderswo spüren immer noch eine große Verunsicherung und Angst ihrer Gäste. Bei Erfahrungsaustausch im Kasseler Rathaus unter der Moderation von Ordnungsdezernent Dirk Stochla und den nordhessischen DeHoGa-Vertretern Günther „Eppo“ Reeb und Anna Homm kam das deutlich zur Sprache.

Das Fallen der 5-Quadratmeter-Regel habe für einige etwas Entspannung gebracht, doch Abstands- und Hygieneregeln und besonders die vom Gesetzgeber verlangte Erfassung der Gästedaten trübt weiter die Stimmung der Wirte aber vor allem auch die Ausgehfreude potenzieller Gäste. „Vieles ist da nicht zu 100 Prozent ausgegoren“, stellte daher auch Eppo Reeb den Grund für die Verunsicherung auf beiden Seiten der Theken fest. Klarheit konnte Anna Homm zumindest in einem Punkt vermitteln „Kein gast muss einen Mundschutz tragen – weder beim Betreten einer Gaststätte, noch beim gang zur Toilette.“ Andere Informationen seien lediglich Empfehlungen gewesen.

Als Beobachter des Treffens äußerte sich auch Oberbürgermeister Christian Geselle zu den Nöten der Gastro-Branche: „Wir müssen schauen, wie wir die Menschen wieder rauslocken können und wie eine positive Grundstimmung entsteht.“ Nach Wochen von @stayathome lautet die eindringliche Warnung jetzt: „Homedrinking is killing Gastwirt“.

Denn anders als erhofft gab es zur Gaststätten-Öffnung keinen Ansturm auf die regelgerecht dezimierten Plätze. Dirk van der Werf Joe‘s Garage) berichtet: „Wir hätten bis zu 22 Gäste bewirten dürfen – und an den wenigsten Tagen waren die voll belegt.“

Einen vollen Laden, laute Musik, vielleicht Tanz – auch für Markus Knierim Theaterstübchen) eine fast schon schmerzhafte Erinnerung angesichts der aktuellen Lage. Er veranstaltet nun wieder erste Konzerte, in ganz kleinen Kreis mit vorbildlicher Abstandsregelung – aber ohne Aussicht auf Kostendeckung. „Bevor Impfstoff oder wirksames Medikament gefunden sind, wird es den freilaufenden Gast wie wir ihn von Vor-Corona-Zeiten kennen, nicht geben“, sorgt er sich.Die Situation geht an die Substanz – und gefährdet bedrohlich die Existenzen. Neue Wege sind da gefragt. „Vieles muss nach Draußen an die frische Luft verlagert werden“, findet Betty Delalic. Ihre B2-Bar bleibt derweil geschlossen – nicht genug Fläche, um mehr als einer Handvoll Gäste die kühlen Drinks zu servieren.

Dirk Stochla zeigt verständnis: Anfragen, Außenflächen auszuweiten, werde man im Einzelfall unter Berücksichtigung von Anwohnern und Verkehrssituation prüfen. Die Gäste, so lautet die Botschaft der Kasseler Gastronomie, können sich in Restaurants und Kneipen sicher und wohl fühlen – ihre Wirte jedenfalls tun alles dafür. Auch wenn manche wie Frank Lüst und Robert Wizani lieber hinter noch verschlossenen Türen etliche Schönheitsreparaturen ausführen. Das „Fes“ an der Alten Hauptpost hat schließlich schon gut 40 Jahre Jahre auf dem Buckel. Trotzdem oder gerade deswegen öffnen die Betreiber noch nicht. „Die gewohnte Atmosphäre könnten wir unter Berücksichtigung der Auflagen nicht bieten. Die besondere Energie des Fes muss spürbar sein“, sagen die Beiden. Und man hört deutlich heraus, dass die Öffnung einer Corona-kastrierten Bar sie derzeit noch mehr schmerzen würde als hinter verschlossenen Türen auszuharren.

Rubriklistenbild: © Harry Soremski

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