„Antisemitismus wird keinen Platz bei der documenta bekommen“: OB Geselle reagiert auf Steinmeiers Kritik

Bei der Eröffnung der documenta: Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, die Generaldirektorin der documenta, Sabine Schorrmann und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle.
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Bei der Eröffnung der documenta: Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, documenta-Generaldirektorin Sabine Schorrmann und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle. 

Ein Auftakt nach Maß war das nicht. Nach Antisemitismus-Vorwürfen im Vorfeld der documenta, hat Bundespräsident Frank Walter Steinmeier bei der Eröffnung den Umgang mit den Vorwürfen scharf kritisiert. Zwei Tage später äußert sich nun Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle zu der Kritik den Bundespräsidenten.

Kassel Er sei sich im Vorfeld nicht sicher gewesen, ob er überhaupt zu der Eröffnung nach Kassel kommen würde, hatte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier bei der Eröffnung der documenta am Samstag gesagt. Er kritisierte: Es falle auf, wenn auf dieser bedeutenden Ausstellung wohl keine jüdischen Künstlerinnen oder Künstler aus Israel vertreten seien.

Steinmeier hatte anlässlich der Eröffnung unter anderem gesagt: „Kunst darf anstößig sein, sie soll Debatten auslösen“, sagte Steinmeier laut vorab veröffentlichtem Redetext. Kritik an israelischer Politik sei erlaubt. „Doch wo Kritik an Israel umschlägt in die Infragestellung seiner Existenz, ist die Grenze überschritten.“ Mit seiner Eröffnungsrede hat der Bundespräsident für ein breites Medien-Echo gesorgt, wobei schon seit Monaten darüber diskutiert wurde, ob die diesjährige documenta eine anti-israelische Grundstimmung erzeugen werde.

Er sagte aber nicht, welche Documenta-Kunstwerke er für anstößig halte. Der Bundespräsident ging auch nicht explizit darauf ein, dass einige Ruangrupa-Mitglieder der israelkritischen Kampagne BDS nahestehen. Am Montag äußerte sich Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle auf Anfrage zu den Aussagen von Frank Walter Steinmeier. Deutschland habe aus seiner Geschichte heraus eine besondere Verantwortung für alle Menschen jüdischen Glaubens und den Staat Israel“, so Geselle.

„Diese Verantwortung leben wir in Kassel nicht nur mit unserer jüdischen Gemeinde, sondern auch mit unserer israelischen Partnerstadt Ramat Gan besonders intensiv und freundschaftlich. Das ist Stadträson in Kassel und entspricht meiner tiefen eigenen Überzeugung.“
 
Antisemitismus dürfe keinen Platz haben in unserer Gesellschaft - „und wird auch keinen Platz auf der documenta bekommen!“, so Geselle. Das Kuratorenteam habe sich im Vorfeld klar und sehr deutlich gegen Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus und gewaltbereiten religiösen Fundamentalismus sowie gegen jede Art von Diskriminierung positioniert.
 
„Die Freiheit der documenta, über in Mitteleuropa gesetzte Positionen zu sprechen, mag mitunter für uns Deutsche aus unserer kulturellen Identität heraus schwer nachzuvollziehen oder gar zu ertragen sein. Solange aber keine Rechtsverletzung stattgefunden hat, muss man - soll die künstlerische Freiheit weiterhin garantiert werden - kritische Diskurse ertragen können. Ich habe es bedauert, dass die geplante Gesprächsreihe „We need to talk“ aufgrund der medialen Debatte im Vorfeld der Eröffnung nicht zustande kam. Ich wünsche mir nun, dass man die 100 Tage der documenta fifteen als Beginn eines offenen, ehrlichen und vor allem sachlichen Dialogs begreift“, sagt Christian Geselle.

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