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Armut in Hessen nimmt zu - Diakonie fordert umfassende Hilfen

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In Hessen sind mittlerweile rund 14 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Laut Diakonie Hessen sei das seit der Wiedervereinigung Höchststand.

Region. In Hessen sind inzwischen rund 14 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Das stellt einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung dar", sagt Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen im Vorfeld des "Internationalen Tages der Überwindung der Armut" am 17. Oktober. Die geplante Erhöhung des Regelsatzes sei längst nicht ausreichend, um ein Leben in Würde zu führen, so Gern weiter.

399 Euro sind zu wenig

Über 500.000 Personen beziehen aktuell in Hessen Leistungen der sozialen Mindestsicherung. Familien und Kinder leiden

dabei besonders unter dem zu geringen Regelsatz. "Es ist bekannt, dass der Hartz IV-Regelsatz mit 399 Euro für einen Einpersonenhaushalt zu gering ist. Nach Berechnungen der Diakonie müsste er mindestens um 70 Euro höher liegen", so Diakonie-Chef Gern. Geplant ist aktuell eine Erhöhung um fünf Euro.

"Warme Winterkleidung für Kinder darf kein Privileg, sondern muss eine staatlich finanzierte Grundleistung sein", sagt Gern weiter. Der Theologe weist außerdem auf einen weiteren Aspekt hin: Familien und Kindern müsse es möglich sein, auch einmal Freunde zum Essen einzuladen. Der soziale Ausschluss, der mit dem Bezug von Grundsicherungsleistungen einhergehe, sei laut Gern enorm.

Auch Altersarmut steigt

Dies gilt nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden nicht nur für Familien und Kinder sondern auch für ältere Menschen. Waren Ende 2005 in Hessen noch rund 30.000 Menschen im Rentenalter auf Grundsicherung angewiesen, so lag deren Zahl im Jahr 2015 bei fast 45.000. "Dieser Anstieg der Altersarmut ist beunruhigend; zumal schon jetzt abzusehen ist, dass er sich weiter fortsetzen wird. Wir brauchen nicht nur einen armutsfesten Hartz IV-Satz, sondern auch eine Grundsicherung, die ein Leben in Würde ermöglicht", so der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hessen.

Zwar liege die Armutsgefährdungsquote in Hessen unter derjenigen in Deutschland, doch sei der Anteil von Menschen, die in Hessen von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen werden, in den letzten Jahren immer weiter gestiegen.  "Armut zu überwinden ist ein zentrales Anliegen der Diakonie", so Gern. "Der Welttag zur Überwindung der Armut sollte für uns alle ein Anstoß sein, über die wachsende Anzahl der Menschen nachzudenken, die in unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden. Es geht um die Chance dazuzugehören, mitgestalten zu können und nicht ausgeschlossen zu werden. Diese Chance müssen alle haben."

"Wenn immer mehr Menschen an den Rand gedrängt werden – sei es durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Flucht – sind wir alle gefragt. Zuschauen kann keine Lösung sein. Denn soziale Gerechtigkeit ist eine Kulturfrage, die uns alle betrifft."

Die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge sei dafür ein hervorragendes positives Zeichen. Es brauche ebenso ein offenes Herz und einen weiten Blick für die Menschen in anderen Zusammenhängen, die Not leiden und Hilfe benötigen. Auch sei die konkrete Hilfe nicht alles: "In der Diakonie geht es um beides: Um das Tun der Liebe und um das politische Entgegentreten und Verändern, wo Menschen ausgegrenzt werden", so Gern.

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