Auch in Kassels Apotheken: Gras auf Rezept

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Kasseler Apotheken händigen das "grüne Gold" aus

Ein altes deutsches Sprichwort sagt: „Später Markt wird gern gut“ (Verfasser unbekannt). Und es bewahrheitet sich. Denn seit dem 10. März 2017 bekommt man Cannabis auf Rezept in den Apotheken. Grundsätzlich müssen alle Apotheken Cannabis aushändigen können und vor Ort da haben. Auch die Apotheken in und um Kassel haben das „grüne Gold“ in ihrem Sortiment. Zur Zeit gibt es allerdings kaum noch Cannabis mehr vorrätig. Grund ist die große Nachfrage der Patienten und die Produktion der Pflanzen. Denn Cannabis braucht seine Zeit, um zu reifen. Anders als bei chemisch hergestellten Medikamenten, wo es deutlicher schneller geht.

                              Nachfrage in Kasseler Apotheken

„Nachdem das Gesetz in Kraft trat, ist mir aufgefallen, dass einige wenige Leute mit Schmerzen aber jedoch ohne Rezept vom Arzt in die Apotheke kamen und nach dem Cannabis fragten, um ihre Schmerzen zu lindern. Das Cannabis wird aber erst verschrieben, wenn andere Therapiemaßnahmen nicht mehr greifen“, erzählt Lutz Mohr von der Löwen-Apotheke in Grebenstein und außerdem Vorstandsmitglied im Hessischen Apothekerverband e.V. . „Bislang hatte ich eine ernsthafte Anfrage von einer Kundin mit Rezept.“ Ein Apotheker der Filiale am Wehlheider Platz meint, dass Verordnungen in und um Kassel bereits vorkommen und auch schon vorgekommen sind (Konkrete Zahlen können leider nicht genannt werden). Die Kasseler Apotheken beziehen das Cannabis von pharmazeutischen Firmen und händigen es dann auf T-Rezept den Patienten aus. Das Mundspray ist eine von mehreren Arten, wie man das Cannabis einnehmen kann erzählt der Apotheker. Hierbei wird das Spray während der Mahlzeit in den Mund gesprüht. Der Wirkstoff gelangt so schnell über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf.

Vor der Gesetzesänderung im März gab es in Deutschland bereits 1.000 Patienten, die eine Ausnahmegenehmigung aufgrund von chronischen Schmerzen hatten und somit Cannabis als Arznei nehmen durften. Als im März dann die Gesetzesänderung in Kraft trat, wurden im Februar bereits 2.400 Packungen Cannabis Arzneien verordnet, im März waren es dann schon 3.604 Packungen und im April wurde 4.200 mal medizinisches Cannabis verschrieben (deutschlandweit). Die Cannabisblüten werden in der Apotheke unter speziellen Bedingungen gemahlen und schließlich als Rezepturarzneimittel an die Patienten abgegeben. Die Anwendungsform entscheidet hierbei nur der Arzt. Das Cannabis muss genau auf den jeweiligen Patienten dosiert sein, da es sonst zu einer Über- oder Unterdosis führen kann. Eingenommen werden kann das Hanfprodukt unter anderem in Form von Inhalationen oder abgekocht getrunken als Tee. Das Rezept, welches vom behandelnden Arzt ausgestellt wird, ist nur eine Woche lang gültig und verfällt danach. Patienten, die gesetzlich versichert sind, müssen mit einer Zuzahlung pro Arzneimittel rechnen, die höchstens 10 Euro beträgt.

Das Cannabis wird außerdem für gesundheitliche Zwecke zum Teil noch aus dem Ausland bezogen und (noch) nicht in Deutschland angebaut. Ab 2019 soll in Deutschland angebaut werden. Der private Eigenanbau des Hanfs ist jedoch weiterhin nicht erlaubt. Klar ist: Die Nachfrage deutschlandweit ist höher als das Angebot selbst. Der Lieferengpass bedeutet jedoch nicht, dass Patienten, die auf das Schmerzmittel angewiesen sind, nun verzichten müssen, bis es wieder verfügbar ist. Denn sie können sich ein alternatives Arzneimittel verschreiben lassen, wie z.B. Cannabis- und Cannabinoid-Fertigarzneimittel sowie Cannabinoid-Rezepturarzneimittel mit Dronabinol und Cannabidiol in guter Qualität und mit sofortiger Verfügbarkeit. Lieferbar soll das Gras vermutlich erst wieder ab September sein. Bis dahin müssen sich die Patienten noch gedulden – darauf, dass das „grüne Gold“ bald wieder ihre Schmerzen lindern wird.

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