Aufbau in Afrika

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Engagieren sich in Afrika: Der B.Braun-Vorstandsvorsitzende Professor Dr. Heinz Walter Große (li.) und der Afrika-Beauftragte des Konzerns Dr. Martin Demlehner.

B.Braun-Vorstandsvorsitzende Professor Dr. Heinz Walter Große: „Afrika ist die Zukunft“.

Kassel - In den Blickpunkt Europas ist Afrika durch die Flüchtlingsbewegungen der letzten Jahre gelangt. Der EXTRA TIP sprach darüber mit dem Vorstandsvorsitzenden von B.Braun Professor Dr. Heinz Walter Große.

ET: B.Braun und Afrika – wie passt das zusammen?

Prof. Große: Unsere Firma macht seit 1968 Geschäfte in Afrika. Wir haben in allen Ländern Händlerorganisationen, die unsere Produkte verkaufen.

ET: Wie sieht es mit Produktionsstätten aus?

Prof. Große: Produktionsstätten haben wir in Afrika nicht. Das gilt übrigens für alle 2000 deutschen Firmen. Es gibt jede Menge Beraterfirmen, die dort tätig sind. Aber es gibt zum Beispiel keine einzige große Infrastrukturmaßnahme wie einen Hafen, eine Bahnstrekke, eine Autobahn oder ein Staudamm unter deutscher Leitung. Hier sind die Chinesen führend und das ist verständlich. Solche Projekte kann eine Firma allein nicht stemmen. Der chinesische Staat steckt hinter allen diesen Infrastrukturmaßnahmen. Im Gegenzug erhält China Rohstoffe.

ET: In Deutschland wird doch viel darüber geredet, dass Projekte in Afrika entstehen sollen, um den Menschen Arbeit auf ihrem Kontinent zu beschaffen.

Prof. Große: Es ist spannend zu beobachten, was zur Zeit in Berlin entsteht. Jedes Ministerium hat sein eigenes Afrika- Projekt. Das ist noch etwas unstrukturiert, aber jetzt hat die Bundeskanzlerin einen Koordinator ernannt.

ET: Sie sind seit drei Jahren der SAFRI-Präsident. Was hat sich in den drei Jahren getan?

Prof. Große: Die Subsahara Initiative der deutschen Wirtschaft setzt sich für die Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Ländern Subsahara- Afrikas ein. An den Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsgipfeln in Berlin (2016) und in Nairobi (2017) haben jeweils 500 Firmen und Institutionen teilgenommen. Das ist ein gutes Ergebnis.

ET: Heißt das, dass Sie insgesamt mit dem deutschen Engagement in Afrika zufrieden sind?

Prof. Große: Nein, das wäre zuviel gesagt. Wir sind erst am Anfang. Wir müssen dort Produktionsstätten aufbauen und Arbeitsplätze schaffen. Ich hoffe, dass wir auf dem nächsten Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsgipfel 2018 in Hannover schon erste Erfolge verkünden können. Aber es kostet alles Zeit. Wir haben zum Beispiel bei B.Braun zwanzig afrikanische Jugendliche ausgebildet, die für uns dort als Führungskräfte tätig sein sollen. Zur Zeit versuchen wir, eine Firma aufzukaufen, die Infusionsstoffe herstellt. Die wollen wir ausbauen und weitere Arbeitsstellen schaffen. In Südafrika haben wir bereits 33 Dialysestationen, die auf deutschem Niveau arbeiten und 1000 Patienten versorgen.

ET: Wie steuern Sie die Aktivitäten in Afrika?

Prof. Große: Unter der Leitung von Dr. Martin Demlehner sind mittlerweile vierzehn Mitarbeiter in Deutschland für Afrika tätig. In Afrika selbst wollen wir alle unsere Strukturen vor Ort ausbauen. Die ersten Erfolge und Umsatzsteigerungen sind mehr als erfreulich. Afrika ist die Zukunft.

ET: Afrika gilt immer noch als äußerst riskant und instabil.

Prof. Große: In Staaten wie Nigeria oder Ghana wird mittlerweile friedlich gewählt. Das wäre vor 15 Jahren undenkbar gewesen. Aber darüber wird selten berichtet. Unsere Fachleute informieren sich über französische und englische Sender. Da können sich ARD und ZDF ein Beispiel nehmen. Aber im Großen und Ganzen gilt, dass die deutschen Firmen staatliche Unterstützung benötigen. Allein sind sie dort überfordert.

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