Maurerlehre in Rekordzeit

Mujtaba Salimi tauscht sich gerne mit seinem Vater über die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen auf deutschen und iranischen Baustellen aus. 
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Mujtaba Salimi tauscht sich gerne mit seinem Vater über die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen auf deutschen und iranischen Baustellen aus. 

Wir stellen vor: Junge Menschen, die vom Beruf des Handwerkers überzeugt sind

Kassel. Wenn es um die Berufswahl geht, gibt´s für viele nur eines: ein großes Unternehmen mit einem bekannten Namen. Erst wenn das nicht klappt, schaut man sich weiter um. Doch immer mehr Jugendliche erkennen, dass sich eine Ausbildung im Handwerk lohnt, die Zahl der Ausbildungsverträge ist nach dem Einbruch im Corona-Jahr 2020 wieder gestiegen. In loser Reihenfolge präsentieren wir Ihnen hier junge Männer und Frauen, die den Schritt ins zukunftssichere Handwerk gemacht haben und Andere ermutigen wollen, es ihnen gleich zu tun.

Junge Männer wie Mujtaba Salimi. Okay, den klassischen Start ins Handwerkerberufsleben - Schule, Praktikum - hat er nicht ganz so hingelegt, wie das in Deutschland aufgewachsene junge Menschen im allgemeinen tun. Und mit seinen mittlerweile 29 Jahren kann er auch schon auf eine Menge Lebenserfahrung zurück blicken. Die ihn schlussendlich nach Deutschland und ins Handwerkerdasein geführt hat.

Geboren wurde Mujtaba Salimi in Afghanistan, aufgewachsen ist er im Iran, wo sein Vater ein Bau-Unternehmen besaß. Die zunehmende Diskrimierung der im Iran lebenden Ausländer und die behördlichen Eingriffe in die Unternehmertätigkeit seines Vaters veranlassten Mujtaba dann 2015, mit einem iranischen Abitur in der Tasche in Deutschland um Asyl nachzusuchen. „Man hätte mir nie erlaubt, einmal die elterliche Firma dort fortzuführen“, erzählt der gebürtige Afghane. Sein Credo für seine neue Heimat: „Ohne anständige Ausbildung bist Du nix in Deutschland!“

Die Ausländerbehörde wies ihm einen Platz in Kassel zu. Umgehend und rasend schnell machte sich Mujtaba daran, Deutsch zu lernen; machte den Führerschein innerhalb eines Monats und arbeitete bei einem Innungsbetrieb im Landkreis ls Bauhelfer. „Der Einstieg fiel mir nicht schwer, ich hatte ja schon Vorkenntnisse, weil ich bei meinem Vater oft mit gearbeitet habe“. 2016 erfolgte dann der Einstieg bei der Kasseler Firma Rennert in die Maurerlehre. „Schon bei unserem ersten Gespräch hat Herr Salimi darauf bestanden, die Lehrzeit zu verkürzen“, staunt Firmenchef Thilko Gerke noch heute. „Ich habe gemeint, wollen wir nicht vorsichtig anfangen, da werden ja Leistungen und Noten vorausgesetzt, doch er antwortete nur ‚ich will das und ich schaffe das‘. Und in der Tat, sein Abschluss kann sich sehen lassen“, unterstreicht Gerke, der sich freut, dass Mujtaba dem Unternehmen seit 2020 als Geselle treu geblieben ist. „Es passt von beiden Seiten.“

„Die Arbeit macht Spaß, es gibt die unterschiedlichsten Aufgaben und immer wieder Baustellen mit neuen Herausforderungen. Dazu kommt der Zusammenhalt unter den Kollegen und man kann auf das blicken, was man mit den eigenen Händen geschafft hat“, wirbt Mujtaba für seinen Beruf. Dem wird er treu bleiben, erst einmal als Geselle aber auf mittlere Sicht „als Polier, Vorarbeiter oder Meister“. Auch der Sprung in die Selbstständigkeit taucht in seinen Träumen auf, „ich kann hier vielleicht – wie mein Papa – mal eine Firma gründen.“ Auch wenn seine Eltern und Verwandten dort geblieben sind, zurück nach Afghanistan oder in den Iran will er auf keinen Fall.

Mujtaba Salimi hat seine berufliche Erfüllung im Handwerk gefunden. Und auch privat ist ihm das Glück treu, freut er sich doch jeden Abend darauf, in sein Heim im Landkreis zu seiner deutschen Ehefrau und seinen beiden kleinen Kindern zu kommen.

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