Ausgesummt: Ausstellung im Kasseler Naturkundemuseum behandelt Insektensterben 

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Gemeinsam mit den Volontärinnen Gudrun Schneider (re.) und Mirella Hofmeister konzipierte Dr. Kai Füldner die Ausstellung.
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Vom 15. Juni bis 14. Oktober ist im Kasseler Naturkundemuseum die Sonderausstellung "Ausgesummt. Das Insektensterben und seine Folgen" zu sehen.
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Vom 15. Juni bis 14. Oktober ist im Kasseler Naturkundemuseum die Sonderausstellung "Ausgesummt. Das Insektensterben und seine Folgen" zu sehen.
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Vom 15. Juni bis 14. Oktober ist im Kasseler Naturkundemuseum die Sonderausstellung "Ausgesummt. Das Insektensterben und seine Folgen" zu sehen.
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Vom 15. Juni bis 14. Oktober ist im Kasseler Naturkundemuseum die Sonderausstellung "Ausgesummt. Das Insektensterben und seine Folgen" zu sehen.
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Vom 15. Juni bis 14. Oktober ist im Kasseler Naturkundemuseum die Sonderausstellung "Ausgesummt. Das Insektensterben und seine Folgen" zu sehen.
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Vom 15. Juni bis 14. Oktober ist im Kasseler Naturkundemuseum die Sonderausstellung "Ausgesummt. Das Insektensterben und seine Folgen" zu sehen.
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Vom 15. Juni bis 14. Oktober ist im Kasseler Naturkundemuseum die Sonderausstellung "Ausgesummt. Das Insektensterben und seine Folgen" zu sehen.

Erste Einblicke in die neue Sonderausstellung "Ausgesummt. Das Insektensterben und seine Folgen" im Kasseler Naturkundemuseum gibt es im Interview mit Leiter Dr. Kai Füldner und in unserer Bildergalerie.

Kassel. Die meisten von ihnen sind ganz klein. Fallen uns höchstens mal auf, wenn sie uns stechen oder beißen. Doch jetzt fallen sie uns immer mehr auf, weil sie weg sind. Gemeint sind die Insekten, denen im Naturkundemuseum ab dem 15. Juni eine hochemotionale Sonderausstellung gewidmet ist. Der EXTRA TIP sprach mit Museumsleiter Dr. Kai Füldner.

Sterben unsere Insekten aus?

Füldner: Es ist schwer genaue Daten zu bekommen. Doch das, was wir wissen, ist mehr als alarmierend. Die Ergebnisse der Krefelder Studie in einem Naturschutzgebiet hat alle aufgeschreckt. Noch schlimmer ist es auf den Flüchen der industriellen Landwirtschaft. Dort wird ein Leichentuch über die Felder gespritzt. Das einzige Lebewesen dort ist der Bauer auf seinem Traktor.

Es waren doch mal Äcker stillgelegt worden? 

Vor 15 Jahren. Dann kam die Bioenergie, das gps-gestützte Spritzen und Düngen. Seitdem ist keine Rille mehr ungenutzt. Für Insekten ist kein Platz mehr. Und der Bauernverband schließt die Augen. Dazu kommt die Vergüllung, durch die Flächen und Trinkwasser mit Nitrat vollgepumpt werden. Es ist abartig, was wir treiben. Dort geben wir 50 Millionen Euro für einen Fledermaustunnel aus. Und direkt daneben verhungern sie, weil wir ihnen die Nahrung totspritzen.

Wer stirbt denn noch, wenn die Insekten weiter totgespritzt werden?

Körnerfresser unter den Vögeln wie die Spatzen werden überleben. Es verhungern jetzt schon Schwalben, Rotkehlchen, Feldlerchen, Kiebitze, die Insekten fressen.

Welche Gifte haben Sie besonders auf dem Schirm?

Sogenannte Neonicotinoide – Nervengifte für Insekten. Wenn Bienen über ein Feld fliegen, das damit eingesprüht worden ist und abends die Hälfte von ihnen tot ist, gilt das Mittel immer noch als unbedenklich. Und das, obwohl auch die restlichen Bienen stark geschädigt worden sind.

Also sollte man solche Felder meiden. 

Das geht nicht. Das Gift dünstet aus. In Südtirol zum Beispiel werden im Tal die Obstplantagen gespritzt und von den Dünsten sterben oben am Berg die Schmetterlinge.

Ich habe das Gefühl, dass es auch in Nordhessen immer weniger Schmetterlinge gibt.

Das ist richtig. In den letzten hundert Jahren haben wir die Hälfte aller Arten verloren. Und von denen, die noch überlebt haben, gibt es immer weniger. Ich habe schon manchmal Tränen in den Augen, wenn ich mal wieder einen einzelnen Schmetterling sehe. Und wir sollten uns nichts vormachen. Es sterben nicht nur die Insekten aus. Auch wir Menschen sind gefährdet, wenn wir so weitermachen.

Zur Ausstellung:

Insektenforscher beobachten schon seit langem einen Rückgang der Menge und Vielfalt in der Insektenwelt. Seit einiger Zeit fällt es nun auch den Laien auf, dass zum Beispiel immer weniger Insekten an den Windschutzscheiben kleben. Wissenschaftler erkennen dramatische Verluste in der Vogelwelt. Im Oktober 2017 berichtete die „Krefelder Studie“ über den Verlust von bis zu 75 Prozent Biomasse bei den Insekten im Verlauf von nur 27 Jahren. Nicht nur die seltenen Arten verschwinden, es betrifft nun auch massiv die gewöhnlichen „Allerweltsarten“. Das könnte dramatische Folgen haben, sollte sich an dieser Entwicklung nichts ändern.

Nicht mehr nur die Wissenschaft fragt nach den Gründen für die fatale Entwicklung. Die neue Sonderausstellung im Naturkundemuseum im Ottoneum „Ausgesummt. Das Insektensterben und seine Folgen“, die vom 15. Juni bis 14. Oktober 2018 zu sehen ist, informiert über die aktuelle Situation der Insekten in Deutschland. Die Ausstellung holt die Besucher dort ab, wo sie stehen. Sie führt mit teils aufwändigen Inszenierungen durch die verschiedenen Facetten des aktuellen Insektensterbens. Das Museum wartet nicht nur mit Fakten zu den vielfältigen Gründen des Insektensterbens auf, es beleuchtet auch die Verstrickung jedes einzelnen Menschen in diese Vorgänge und gibt Anlass zur Reflexion über die Möglichkeiten der Umsteuerung.

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