Baden auf eigene Gefahr: DLRG bewacht den Bugasstrand nicht mehr

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Das Baden im Bugasee bleibt weiterhin kostenlos und erfolgt in Eigenverantwortung.

Das Baden im Bugasee ist weiterhin kostenfrei und geschieht in Eigenverantwortung. Die Verpflichtung der DLRG zur Wasserrettung wurde von der Stadt Kassel und DLRG aufgehoben.

Kassel. Der Bugasee ist ein natürliches Gewässer, in dem man nach der geltenden Seenordnung auch in Zukunft an den freigegebenen Flächen auf eigene Gefahr kostenfrei baden kann. Die über diese Eigenverantwortung hinaus bestehende zusätzliche Absicherung durch eine von der DLRG besetzte Wasserrettungsstation entfällt. Darauf einigten sich jetzt die Stadt Kassel und die DLRG, nachdem die DLRG signalisiert hatte, dass es für sie als freiwillige Hilfsorganisation unter veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zunehmend schwieriger wird, ausreichend ehrenamtliches Personal zur Verfügung zu stellen.

Obwohl es auch schon in der Vergangenheit keine rechtliche Verpflichtung der Stadt gab, für eine Badeaufsicht zu sorgen, hatte die DLRG auf der Grundlage eines Vertrages von 1982 zu bestimmten Zeiten wasserrettungsdienstliche Aufgaben übernommen und mit ehrenamtlichen Kräften erfüllt. DLRG und die Stadt Kassel haben sich zusammengesetzt, um die Frage einer Wasserrettung am Bugasee zu klären. Eine wichtige Grundlage der Gespräche war ein Gutachten der International Life Saving Federation of Europe (ILSE).

Anhand einer exemplarischen Risikobewertung für eine der Badestellen am Bugasee haben die Gutachter der ILSE aufgezeigt, welche Ressourcen für eine optionale Wasserrettung künftig zur Verfügung gestellt werden müssten. Als angenommene Einsatzzeit galt samstags und sonntags von 12 bis 20 Uhr im Zeitraum vom 15. Mai bis 15. September: Exemplarisch wurde Strand 2 untersucht, die größere Badestelle südwestlich der jetzigen Wachstation.

Nach dem Befund der Gutachter müssten Rettungsschwimmer direkt am Strand eingesetzt werden und nicht wie bisher in der DLRG-Station. Aufgrund der angenommenen Einsatzzeit müssten täglich in drei Schichten jeweils drei Rettungsschwimmer ihren Dienst versehen. Würde das motorisierte Schlauchboot für die Wasserrettung nicht direkt am Strand, sondern weiterhin an der Wachstation positioniert, müssten zwei weitere Rettungsschwimmer zur Bedienung eingeplant werden. Am Strand müsste das benötigte Rettungsmaterial wie Telefon, Funkgeräte, Wurfleinen, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Sauerstoffgerät etc. zur Verfügung stehen.

Ableitbare Konsequenzen

Die Buga besitzt keinen zusammenhängenden Strand, sondern gliedert sich in fünf, auseinanderliegende Badebuchten sowie einen FKK-Bereich. Die von der ILSE skizzierten Standards für Strand 2 müssten an allen Badestellen gewährleistet werden. Diese Situation setzt eine Personalstärke und eine räumlich wie zeitlich umfassende Wasserrettung voraus, die die DLRG ehrenamtlich nicht leisten kann. Die Bereitstellung eines Wasserrettungsdienstes nur am Strand 2 würde bei den Badegästen eine falsche Sicherheitserwartung für die gesamte Buga erzeugen.

Das Wasserrettungsteam wäre an diesen Ort gebunden und könnte deshalb nicht an anderen Abschnitten eingesetzt werden. Deshalb müsste bei einer Konzentration der Wasserrettung am Strand 2 das Baden an allen anderen Stellen verboten werden. Ein solches Badeverbot träfe auf wenig Verständnis und wäre nicht durchzusetzen. Eine erfolgreiche Wasserrettung wird zudem durch die Sichtverhältnisse unter Wasser erschwert. Die geringen Sichttiefen erschweren das Auffinden vermisster Personen – hier können nur noch Rettungstaucher eingesetzt werden. Deshalb würde in solchen Fällen ohnehin der Wasserrettungszug der Feuerwehr alarmiert.

Außerhalb der von ILSE betrachteten Überwachungszeiten wäre werktags, frühmorgens und abends ohnehin keine Wasserrettung vor Ort. Notfälle in diesem Zeitraum müssten über die Notrufnummer 112 gemeldet werden. Eine hauptamtliche Wasserrettung am Bugasee während der Sommermonate hätte zur Folge, dass der Badebereich eingezäunt und zur Teilfinanzierung des enormen Personaleinsatzes Eintritt verlangt werden müsste.

Der Besuch des Bugasees soll jedoch kostenlos bleiben. Die Stadt Kassel und die DLRG haben deshalb vereinbart, dass künftig die vertragliche Verpflichtung zum Wasserrettungsdienst am Bugasee entfällt. Wie bisher weisen Warnschilder und Schaukästen rund um den Bugasee auf Gefahren beim Baden hin; die aufgeführten Verhaltensregeln sind mit der DLRG abgestimmt.

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