Tod in der Badewanne: Vater vor Gericht

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Nach dem tragischen Tod von zwei Kindern durch einen Stromschlag steht nun ihr Vater vor Gericht. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung.

Kassel. Der tragische Tod von zwei kleinen Kindern erschütterte im November 2013 die ganze Region. Jeder fragte sich: Wie kann ein Vater seine Kinder alleine in der Badewanne lassen und dann einfach das Haus verlassen? Deswegen muss sich der 48-jähriger Mann aus Kassel seit Donnerstag vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. Vorwurf: Fahrlässige Tötung.

Weinend steht die Mutter, die auch als Nebenklägerin auftritt, mit einer Bildercollage auf dem Gerichtsflur. Sie kann immer noch nicht fassen, wie sowas passieren konnte. Der tragische Unglücksfall passierte am 13. November 2013. Der Angeklagte hatte Besuch von seinen beiden, ansonsten bei seiner geschiedenen Ehefrau in Hamburg lebenden Kindern, einem vier Jahre alten Mädchen sowie einem sechs Jahre alten Jungen. Er soll den Kindern am späten Vormittag ein Bad eingelassen haben.

Die Kinder soll er dann unbeaufsichtigt in der Badewanne zurückgelassen haben, um sich am Hauptbahnhof über die Abfahrtszeiten von Zügen nach Hamburg zu informieren. Hierdurch soll er Sorgfalts- und Obhutspflichten gegenüber den Kindern verletzt haben. Denn: Während seiner Abwesenheit geriet der vom Angeklagten genutzte Rasierapparat, der mit der Steckdose verbunden war, auf ungeklärte Weise in die Badewanne. Beide Kinder verstarben durch den Stromschlag.Die damals sofort eingeleiteten Reanimationsversuche von Notarzt und Rettungsdienst waren erfolglos. Beide Kinder verstarben noch am Einsatzort. Am Abend wollte der Vater die Kinder eigentlich wieder zur Mutter nach Norddeutschland zurückbringen.Nach dem Ergebnis der Obduktion ist von einem Unglücksfall auszugehen. Eine von der Staatsanwaltschaft in Kassel angeordnete Obduktion ergab, dass die Kinder tatsächlich durch den Stromschlag gestorben sind. Hinweise für eine äußere Gewalteinwirkung konnten nicht festgestellt werden.

Kinder sollen Rasierapparat in Wanne gezogen haben

Im damaligen Polizeibericht steht: Das Obduktionsergebnis entspricht der Auffindesituation. In der Badewanne befand sich ein Rasierapparat, der mit einer Steckdose verbunden war. Aufgrund der beengten räumlichen Gegebenheiten in dem Badezimmer ist nach vorläufiger Bewertung davon auszugehen, dass der im Ladevorgang befindliche Rasierapparat von den Kindern in die Wanne gezogen wurde.

Fortsetzung des Prozess: Montag, 4. Mai um 9 Uhr im Saal D 115

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