„Barber Angels“ schneiden Bedürftigen in Kassel die Haare

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Weg damit: Barber Angel Freddy im Einsatz. Am 18. Februar schneidet er mit seinen Kollegen im Gleis 1 Bedürftigen die Haare.

Die "Barber Angels Brotherhood" ist am 18. Februar erstmals in Kassel im Einsatz, um obdachlosen und bedürftigen Menschen durch kostenlose Haar- und Bartschnitte ein gepflegteres Aussehen und etwas Selbstwertgefühl zurückzugeben. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat die Schirmherrschaft über die Aktion im Gleis 1 übernommen.

Kassel. „Na, wie schneiden wir denn heute?“ Wenn nicht irgendetwas komplett schiefgelaufen ist, kann man sich sicher sein, dass man beim Friseur sitzt, wenn man diese Frage gestellt bekommt. Doch was ist, wenn das Geld für den Friseurbesuch fehlt, weil es an ganz anderer Stelle gebraucht wird – zum Beispiel für Lebensmittel? Für Menschen, die sich den Friseurbesuch nicht leisten können, sind seit November 2016 die „Barber Angels Brotherhood“ unterwegs (der EXTRA TIP berichtete) – und jetzt kommen die Engel auch nach Kassel.

„Wir wollen Obdachlosen und Bedürftigen etwas Gutes tun, ihnen ihr ‘Gesicht zurückgeben’ und ihnen neues Selbstvertrauen schenken“, sagte Serdal Aslar, alias „Freddy“ aus Kaufungen nach seinem ersten Einsatz für die Barber Angels. Auf seiner schwarzen Rockerkutte steht „Zenturio“ – er ist als Gebietsleiter für Nordhessen zuständig. Dass er Friseur ist, bemerkt man erst, wenn er seine Schere zückt.

In zwei Wochen sind seine Kollegen und er in Kassel zu Gast. Am 17. Februar werden die Barber Angels zunächst im Gleis 1, bei der „Black is Beautiful“ Party die Gäste frisieren. Zum ersten Mal schneiden die Engel dann zusammen auf einer Party. „Typisch Freddy eben“, werden wohl die Leute sagen, die ihn kennen – er will es eben immer ein bisschen anders machen. „Wenn wir schon hier sind lassen wir es krachen. Bei der Party werden wir gegen einen kleinen Obolus nochmal ein bisschen pfiff in die Frisuren bringen“, sagt Freddy.

Yvonne Prekop aus Kaufungen (li.) und Freddy Aslar (m.re.) mit einem Teil der „Barber Angels Brotherhood” vor einem Einsatz. 

Einen Tag später, am Sonntag, 18. Februar, werden die Engel von 14 bis 17 Uhr, ebenfalls im Gleis 1 am Hauptbahnhof, Bedürftigen kostenlos die Haare schneiden. Mittlerweile sind die Barber Angels deutschlandweit bekannt, kaum ein Fernsehsender hat noch nicht über die Engel in den Rockerkutten berichtet. Obwohl sie so lässig gekleidet sind, gibt es hin und wieder Berührungsängste – zu Anfang. „Viele Menschen, die an diesem Tag zu uns kommen, leben in sozialer Armut, haben wenig Kontakt zu anderen Menschen, haben keine Familie, und waren jahrelang nicht beim Friseur. Für diese Menschen ist es im ersten Moment komisch, wenn ihnen allein die Aufmerksamkeit gilt“, sagt Yvonne Prekop aus Kaufungen, die im Organisations-Team der Engel arbeitet.

Zum Glück sind die Ängste schnell verflogen. „Das Lächeln der Kunden nach dem Haareschneiden ist unbezahlbar“, sagt Freddy Aslar. Das Credo des Vereins: Jeder kann Gutes tun. „Sagen wir mal, wir finden demnächst einen Bäcker, der uns unterstützen will und belegte Brötchen zur Verfügung stellt – perfekt! Damit ist es aber nicht getan, einfach jeder kann helfen. Mit seinen eigenen Mitteln“, so Freddy.

Die Barber Angels Brotherhood e.V.

Im November 2016 gründete Claus Niedermaier, der Figaro aus Biberach an der Riß, gemeinsam mit befreundeten Kollegen den Club „Barber Angels Brotherhood“, der seit dem 8. November 2017 als gemeinnütziger Verein eingetragen ist. Claus Niedermaier arbeitete nach seiner Friseurlehre von 1980 bis 1987 in London, Paris und Mailand. 1988 machte er seinen Meister und praktizierte von 1989 bis 1991 u.a. in Los Angeles bei José Eber – einem der weltweit bekanntesten Friseure aus Beverly Hills. Seit 1992 betreibt er im heimischen Biberach seinen eigenen Salon. Die „Barber Angels“ sind seither mit bereits fast 70 Mitgliedern bundesweit alle vier Wochen im Einsatz und geben Obdachlosen und anderen Bedürftigen durch kostenlose Haar- und Bartschnitte „ihr Gesicht zurück“. Es werden weitere „Barber Angels“ in ganz Deutschland gesucht. Besonders in Norddeutschland und im Osten Deutschlands fehlen noch Mitglieder. Infos unter www.b-a-b.club.

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