Barthels letzter Haushalt

Der Herr der Zahlen: Dr. Jürgen Barthel. Foto: Soremski
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Der Herr der Zahlen: Dr. Jürgen Barthel. Foto: Soremski

Briefwechsel. Chefredakteur Rainer Hahne wendet sich mit seinem Briefwechsel an Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel.

Briefwechsel. Sehr geehrter Dr. Jürgen Barthel,

Sie sind der Stadtkämmerer von Kassel – und das seit sage und schreibe 23 Jahren. Montag haben Sie mal wieder einen Haushalt in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Es war für Sie ein ganz besonderer Haushalt. Es war nämlich Ihr LETZTER.

Seufzend haben Sie auf die Zahlen geschaut. 2013 hatten Sie noch gejubelt. Nach vier mageren Jahren konnten Sie ein Plus von 8,9 Millionen Euro verkünden. Im laufenden Jahr wurden Ihnen die Planungen durch eine Rückzahlung im Bereich Gewerbesteuer in zweistelliger Millioinenhöhe und weitere Einbrüche verhagelt. Von 21,2 Millionen Euro Miesen gehen Sie aus. Sicherheitshalber – wer Sie länger kennt, weiss, dass es weniger werden.

2015 schreiben Sie erneut rote Zahlen im Haushaltsplan. 15,1 Millionen Miese sollen es werden. Von einer kurzfristigen Erholung bei den gewerbesteuerzahlenden Firmen ist nicht auszugehen. Bremsmanöver der Bundesregierung in puncto Energiewende und weiterer Ärger in Russland und der Ukraine machen wenig Hoffnung.Dabei hatten Sie 2013 noch so gehofft, dass ein geheimer Wunsch von Ihnen in Erfüllung gehen könnte. 2013 schwarze Zahlen, 2014 und 2015 auf Kurs bleiben, und schon hätte sich Kassel von Schutzschirm und seinen Bestimmungen befreit. Davon kann keine Rede mehr sein.

Schlimm ist das aber auch nicht. Egal, wer Ihnen im Amt nachfolgt – Ihr Standig, Ihr Rückgrat kann der Neue einfach nicht haben. Ihm – wird es Herr Geselle? – kann es nur helfen, wenn Ihm der Finanzminister des Landes Hessen auf die Finger schaut und allzu unverschämte finanzielle Forderungen von Parteien oder Gruppierungen aller Formen, Farben und Größen konsequent abschmettert.

Sie, Herr Dr. Barthel, konnten das auch häufig allein. Sie hatten kein Problem damit, auch Parteigenossen die Leviten zu lesen, die nicht vorhandenes Geld ausgeben wollten. Das ist soweit gegangen, dass Sie für eine Wiederwahl die Zustimmung der eigenen Genossen nicht mehr erhalten haben, sondern mit den Stimmen der schwarzen Opposition gewählt worden sind.

Ein sicher einmaliger Vorgang, den man sich heute kaum noch vorstellen kann. Da klebt und klammert man am Posten. Vor Wahlen werden finanzielle Versprechnungen gemacht – koste es, was es wolle. Das war mit Ihnen nie zu machen. Und dafür haben Sie die normalen Menschen in dieser Stadt geschätzt. Ich wünsche Ihnen eine sorgenfreie Zukunft.

Mit finanztaktischen GrüßenRainer Hahne

Chefredakteur

P.s. Planen Sie nicht zuviel Weltreisen. Ihr Nachfolger könnte Ihren Rat brauchen. Einen richtigen Fachmann wird man sich nämlich nicht leisten können. Die erhalten bei den Sparkassen und Finanzinstituten das Drei- bis Vierfache Ihres Gehalts. Wie schön, dass Sie Herr Barthel, auf den Schritt in diese Richtung verzichtet haben.

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