Bauen nach dem Reinheitsgebot: Martini-Quartier wird zum Lebensraum

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Der Schornstein muss weichen: Dem Martini-Quartier an der Kölnischen Straße soll nach umfangreichen Baumaßnahmen neues Leben eingehaucht werden. Links im Bild die Uhlandstraße.

Auf dem Gelände der Martini-Brauerei an der Kölnischen Straße soll in den kommenden Jahren ein vielfältigen Wohnquartier entstehen. Zunächst stehen jedoch umfangreiche Abbrucharbeiten an.

Kassel. Gut 150 Jahre lang wurde auf dem Gelände der Kasseler Martini-Brauerei mitten im Vorderen Westen gebraut – nun wird gebaut. Innerhalb der kommenden vier bis fünf Jahre soll auf dem historischen Baugrund ein vielfältiges, modernes Quartier zum Wohnen, Arbeiten und Wohlfühlen entstehen.

Nach ersten Gesprächen mit bauwilligen Akteuren, Kaufinteressenten und Gutachtern wurde vom städtischen Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz ein Erschließungplan des Großgrundstücks aufgestellt. Dieser sieht einen umfangreichen, schrittweisen Abbruch der bestehenden Brauereibauten vor. Einzig das ehemalige Sudhaus im Zentrum des Quartiers sowie das ehemalige Verwaltungsgebäude sollen erhalten bleiben und in das neue Bild des Martini-Geländes als Quartier der urbanen Vielfalt eingefügt werden.

Wohnraum für bis zu 400 Menschen

Denn in Planung sind hier Wohnraum für 350 bis 400 Menschen – darunter auch Studenten, wirtschaftlich Schwache und Menschen mit Behinderung. „Neben privaten Investoren werden auch genossenschaftlicher Wohnungsbau, soziales und studentisches Wohnen sowie die Stiftung Mietwohnungen auf das Gelände ziehen“, erklärt Michael Linker, der als Architekt für die Bebauungsplanung zuständig ist.

Außerdem sind Mischgebäude geplant, in denen im Erdgeschoss kulturell, sportlich oder sozial nutzbare Räume und Kleingewerbe, wie Büros, Gastronomie oder Arztpraxen einziehen und im Obergeschoss gewohnt werden soll. Rund um das alte Sudhaus herum soll schließlich ein Quartiersplatz zur nachbarschaftlichen Begegnung und gemeinsamen Nutzung aller Parteien entstehen. Über eine voraussichtlich verkehrsberuhigte Durchfahrt soll das Quartier für Pkws befahrbar werden. Ausreichend Parkplätze werden durch spezielle Garagenbauten im Erdgeschoss der Wohnhäuser geschaffen, da ein unterirdischer Bau auf dem Martini-Gelände statisch nicht möglich ist.

Felsenkeller bleibt

„Dass das Martini-Quartier auf einer denkmalgeschützten Felsenkelleranlage erbaut wurde, machte die Planung für uns nicht einfach“, erklärte Linker die Herausforderung beim Neubau auf dem Gelände. „Sie wird jedoch so weit wie möglich erhalten und auch in Zukunft begehbar bleiben.“

Auch gebe es viele Auflagen zu Baumschutz, Tierschutz und Lärmrichtwerten, an die sich beim Bau gehalten werde. „Mit der Verwendung dauerhafter und recyclebarer Baustoffe und der Einrichtung eines eigenen Nahwärmenetzes machen wir das Martini-Quartier außerdem zu einem ökologischen Quartier“, gab Stadtplaner Fabian Schäfer bekannt. „Wo jahrzentelang nach dem Reinheitsgebot gebraut wurde, bauen wir nun auch nach diesem Prinzip.“

Die etwa sechsmonatigen Abbrucharbeiten werden nach Genehmigung des Baurechtes beginnen. „Wir werden Vorkehrungen treffen, um Geräusche und Staub auf ein unvermeidbares Maß zu reduzieren. Wir halten uns strikt an die Auflagen der erteilten Abbruchgenehmigung. Die Abbrucharbeiten werden jeweils frühestens ab 7 Uhr beginnen dürfen und spätestens um 18 Uhr muss Feierabend sein.“, so Lothar Gauß, Vorstandssprecher des Einbecker Brauhauses .

Rücksicht wird auch genommen auf etwaige Abitur-Prüfungszeiten der Albert-Schweitzer-Schule.

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