Bereit für den "Tatort": Schauspieler mit Kassel-Wurzeln

Kassel soll im kommenden Jahr Tatort-Stadt werden. Foto: ARD
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Kassel soll im kommenden Jahr Tatort-Stadt werden. Foto: ARD

Sie sind im Fernsehen höchst präsent. Und unserer Meinung nach mit ihren Kasseler Wurzeln gute Kandidaten für den geplanten Tatort des HR in 2017.

Kassel. Kassel wird Tatort-Stadt! Die Ankündigung des scheidenden Intendanten des Hessischen Rundfunks, Helmut Reitze, hat für großen Beifall in der Region gesorgt.  Auch erste Details sind schon bekannt: Im kommenden Jahr sollen die Dreharbeiten für eine Sonderfolge der TV-Serie in der nordhessischen Metropole beginnen. Reitze: "Es wird ein so genannter Event-'Tatort' werden." Die Folge soll 2017 oder 2018 an einem Feiertag ausgestrahlt werden.

Laut Reitze ist das Drehbuch in Auftrag gegeben. Es werde eine Polizeigeschichte mit einem neuen Kommissar oder Ermittlerpaar entstehen, der Plot sei noch nicht festgelegt. Nur so viel: Es werde eine Verfolgungsjagd durch die Stadt geben.

Kassels Historie als Film-Stadt ist eher dünn: Bekanntester Streifen ist "Natürlich die Autofahrer”, in dem  Heinz Erhardt 1959 eine verrückte Autojagd vollführte. "Rosen für den Staatsanwalt” – ebenfalls 1959 – mit Walter Giller zeigt einige Szenen in der Kasseler Treppenstraße.Auf Initiative des Kassel-Beirat-Mitgliedes und Film-Produzenten  Hubertus  Meyer-Burckhardt wurde   der Krimi "Tödliches Vertrauen” (2002) in Kassel gedreht.  Mit prominenter Besetzung:  Die leider schon verstorbenen Schauspieler Barbara Rudnik und Otto Sander stammten aus Kassel.Nun fragen wir uns: Wird im  geplanten Kassel-Tatort auch Kasseler Schauspieler-Blut fließen? Als Kommissar ist jedenfalls nicht der übliche hr-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) vorgesehen. Wir haben eine kleine Auswahl an  Kandiaten zusammengestellt.

Aljoscha Stadelmann

Nach dem Abitur in Kassel arbeitete der 1974 in Wuppertal geborene Aljoscha Stadelmann 1993 und 1994 als Regieassistent am Schauspielhaus Bochum. Danach studierte er bis 1997 Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Von 1997 bis 1999 folgte ein Engagement am Schauspiel Leipzig, danach von 1999 bis 2001 ein Engagement am Staatstheater Kassel.  Im Film hat er die größte Tatort-Erfahrung, spielte allein seit 2007 in fünf Folgen mit, tauchte auch im Polizeiruf, "Schimanski – Schicht im Schacht” und "Wilsberg” auf. Zuletzt begeisterte er die TV-Zuschauer als Provinzkommissar im Krimi "Harter Brocken”. Auch Kino kann er:  Zuletzt war er in "Ostwind 2" und "Das kleine Gespenst” zu sehen. Was viele Fans nicht wissen: Aljoscha Stadelmann ist begeisterter Rad-Polo-Spieler.  Von uns zum Thema Kassel-Tatort befragt, sagt er: "Tatort ist gut für mich! Und obwohl es selbstverständlich auch immer ,gute’ und ,schlechte’ gibt, ist Tatort als Ganzes doch grundsätzlich ,gute Arbeit’." Kassel, damit verbindet er "Ahle Wurscht,  Mitte Deutschlands, die documenta. Es sei eine Stadt, "wo man dann im Prinzip doch irgendwie wieder jeden kennt, oder zumindest jemanden, der jemanden kennt, der...”. Und ein Ort, "von dem viele weg wollen und viele zurückkommen; einer der Orte, an denen man nicht unbedingt stranden möchte, an dem aber auch viele hängen bleiben.” Seine Rolle wäre damit auch klar: "Ich wäre der Kommissar, der scheinbar dazu verdammt ist, immer wieder nach Kassel zurückkommen zu müssen.”

Katharina Küpper

Sie machte ihr Abi auf der Herderschule, verdiente sich das Taschengeld mit Kellnern im Landhaus Meister. Und startete nach einigen Werbe-Spots mit zwei Telenovelas voll durch: Von 2008 bis 2010 spielte Katharina Küpper (Jahrgang 1985) "Alisa – Folge deinem Herzen” und "Hanna – Folge deinem Herzen”. Auf Krimi-Erfahrung kann sie ebenfalls zurückblicken:  Von 2013 bis 2015 spielte sie die Rolle der Kriminaloberkommissarin Catrin Christiansen in der Krimiserie "Kripo Holstein – Mord und Meer”. Sie lebt in Hamburg und ist mit dem Schauspieler Peter Foyse ("Rote Rosen”) zusammen, mit dem sie eine kleine Tochter hat.

Lenard Kunde

Lenard Kunde,  aufgewachsen in Fuldatal-Simmershausen, Abitur an der Kasseler Herderschule, gilt nicht nur als  erfolgreichstes männliches Übergrößenmodel. Auch als Schauspieler und Synchronsprecher ist Lenard Kunde gefragt,  stand u.a. für die TV-Serie "Wilsberg" vor der Kamera. Eine Rolle in einem hessischen Tatort würde ihn wahnsinnig freuen.   Kassel hält der Schauspieler als Drehort für besonders geeignet. "Die Stadt Kassel und auch die Region sind reich an unverbrauchten, großartigen Locations. Die schier unglaubliche Vielfalt der historischen Bauwerke, die filmisch noch wenig beharkten Schlösser, Parks und  Industrieanlagen führen Fernseh- und Kinoliebhaber automatisch zu der Frage: Warum wird hier nicht ohnehin schon mehr Film und TV gedreht?" Ob er lieber einen Guten oder Bösen spielen würde, hänge von der Rolle ab. "Natürlich ist es der Traum eines jeden Schauspielers, den Titel "Tatort-Kommissar" in seinem Lebenslauf aufführen zu können. Aber auch ein "böser Charakter" hat natürlich vom Schauspielerischen her seinen Reiz. Ich bin offen für alles!", so Lenard Kunde.

Felicitas Woll

Bei der Abstimmung des hr-Fernsehens über die beliebtesten Schauspieler Hessens belegte sie den zehnten Platz: Felicitas Woll, geboren am 20. Januar 1980 in Homberg/Efze, hat schon einige Auszeichnungen und Preise abgeräumt. Ihr größter bisheriger Erfolg war die Figur der Lolle in der ARD-Vorabendserie "Berlin, Berlin”. Dafür bekam sie 2002 den Deutschen Fernsehpreis, 2003 den Grimme-Preis und 2004 die Goldene Rose von Luzern für die beste weibliche Sitcom-Hauptrolle verliehen. Als Pia Kirchhoff ermittelte sie in sieben Fällen der "Taunuskrimis” für das ZDF. Sie lebt und dreht übrigens lieber auf dem Land als in der Stadt. "Auf dem Dorf freuen sich die Leute über die Filmarbeiten, sie sind freundlich, und man kann in Ruhe arbeiten. In Berlin wird man auch schon mal beschimpft", sagte sagte sie bei Dreharbeiten für die ZDF-Krimis.  Auch privat liebt es Felicitas Woll ländlich, sie lebt mit ihrer neunjährigen Tochter in Vöhl/Harbshausen am Edersee.

Milton Welsh

Der am 3. Februar 1969 in Kassel als Milton Welsch geborene Schauspieler absolvierte das The Actors Studio von Lee Strasberg in New York.  2011 war der Wahl-Berliner in der deutschen Hip-Hop-Komödie "Blutzbrüdaz” in der Rolle des Plattenladenbesitzers Fusco zu sehen, spielte in "Grand Budapest Hotel” (2014) mit und hat auch Tatort-Erfahrung (2015, "Frohe Ostern, Falke”). Auf den Kassel-Tatort angesprochen, sagt er dem EXTRA TIP: "Ich hatte ja schon einen – mit Thomas Stiller (Regie). Aber gerne mehr davon, wenn’s nicht nur an der Oberfläche kratzt.” Kassel hätte dabei seinen besonderen Reiz, denn er sagt. "Meine Heimat, meine Wurzeln.” Ob er denn lieber auf der Seiten der Guten oder der Bösen wäre? "Ist da ein Unterschied? Diese Schwarzweiß-Malerei  interessiert mich nicht. Es sind die Grautöne,die uns ausmachen, in all ihren Schattierungen.”

Meryem Userli

Sie ist die wohl bestbezahlte Schauspielerin in unserer Auswahl – und wahrscheinlich auch in Deutschland. Obwohl hierzulande kaum einer die aus Kassel stammende Meryem Uzerli (geboren am 12. August 1983) vom Bildschirm  kennt, muss sie andernorts den VIP-terminal des Flughafens benutzen, um keine Massen-Hysterie auszulösen. Denn in der arabischen Welt ist die Schauspielerin seit ihrer Rolle als Sultan Süleymans Lieblingsfrau in der türkischen Serie  "Muhteşem Yüzyıl” ("Das prächtige Jahrhundert”)  ein Top-Star.  Nach einer längeren Dreh-Pause, in der sie eine Tochter zur Welt brachte, ist sie wieder im (türkischen) Fernsehen präsent. In "Königin der Nacht” spielt sie die Hauptrolle. 400 Millionen schauen ihr weltweit zu, wenn sie im TV auftaucht. Die Türken lieben sie, aber auch die Menschen in Russland, der Ukraine, im Iran, Irak, Saudi- Arabien, Pakistan, den Arabischen Emiraten, Kuwait, selbst in Nordafrika oder Chile. Kein Wunder, dass bei einem Weltstar wie der ehemaligen Kasseler Waldorfschülerin auch die Werbe-Industrie zugreift:  Für den Food- und Kosmetik-Konzern Unilever ist sie die Werbe-Ikone in 23 Ländern. Und für den Kassel-Tatort damit längst etliche Nummern zu groß.

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