Bertram Hilgen gibt Ehrenkarte für Frühjahrsausstellung zurück

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Besuchermagnet: Die Veranstaltungen in der Messe Kassel im Frühjahr und im Herbst sind stets gut besucht. Auch Kassels OB Hilgen (vorne links) war die vergangenen Jahre gern gesehener Ga st bei den Eröffnungen.

Weil die AfD einen Stand auf der diesjährigen Frühjahrsausstellung hat, gab Oberbürgermeister Hilgen seine Ehrenkarte für die Eröffnungsfeier zurück.

Kassel. Das war ein Paukenschlag. Oberbürgermeister Bertram Hilgen hat seine Ehrenkarten zur Eröffnung der Frühjahrsausstellung zurück geschickt. Der Grund: ein AfD-Stand. Eine Ausstellungs-Eröffnung ohne den Oberbürgermeister? Eigentlich undenkbar. Gefühlt immer war Bertram Hilgen dabei, wenn es galt, die Türen der Frühjahrs- oder Herbstausstellung zu öffnen. Das wird ausgerechnet in seinem letzten Dienstjahr nicht der Fall sein.

Die Information, dass die ausländerfeindliche AfD auf der Ausstellung einen Stand bekommen hat, hat ihn maßlos verärgert.

OB gibt Karten zurück

„Ich gebe meine Karten zurück und ich habe allen unseren städtischen Firmen mitgeteilt, dass das meiner Meinung nach kein Umfeld ist, in dem wir für uns werben wollen“, teilte er dem EXTRA TIP mit. Bis auf die Netcom werden deshalb wohl alle städtischen Firmen der Frühjahrsausstellung fernbeleiben.

„Die Netcom hat den Vertrag schon unterschrieben.“ Ausstellungs-Chef Ralf Umbach wurde von der Nachricht völlig überrascht: „Ich weiß offiziell noch gar nichts, und ich kann mir auch nicht erklären, warum man im Rathaus so darauf reagiert hat. Für uns ist die AfD ein Kunde wie alle anderen auch. Schließlich sind wir ein öffentliches Haus. da können wir nicht einfach die Leute so ausschließen.“ Andere Parteien werden auf der Ausstellung nicht vertreten sein. Ob die AfD noch einmal dabei sein wird, steht in den Sternen. „Wir haben sofort einen Termin mit der Stadt gemacht und wollen schauen, was wir demnächst machen werden“, setzt Ralf Umbach auf gemeinsame Gespräche.

Ein Pro und Contra zu Hilgens Entscheidung schrieben Chefredakteur Rainer Hahne und Redakteur Thomas Lange

Pro - von Rainer Hahne

Das wünschen wir uns doch immer wieder von unseren Politikern: Sie sollen glaubwürdig auftreten. Politisch korrektes Handeln macht das mitunter schwer. Allzu oft musste Oberbürgermeister Bertram Hilgen runterschlucken, wo er am liebsten die Faust auf den Tisch gehauen hätte. Ich werde sein Gesicht am Wahltag nie vergessen, als die AfD mit großer Klappe ins Rathaus eingezogen ist. Schon damals war er kurz vor der Explosion. Die Wähler hatten ihm für erstklassige Arbeit in den Jahren keine solide Mehrheit, sondern ein Chaos zur Verfügung gestellt. Die AfD machte schnell klar, dass sie nicht ins Rathaus gekommen war, um solide an der Verwaltung einer Großstadt mitzuarbeiten, sondern um immer wieder ihre Parolen los zu werden. Dass Hilgen darauf verzichten kann, die auch noch in seiner knappen Freizeit zu treffen, kann ich verstehen. Dieses Recht nehmen wir uns ja auch immer mal wieder raus. Wenn ich Onkel Eduard nicht mehr ertragen kann, gehe ich nicht zum Familienfest.

Contra von Thomas Lange

Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen hat sich klar gegen einen Werbestand der AfD auf der Frühjahrsausstellung in der Messe Kassel positioniert. Das ist glaubwürdig, legitim und sogar lobenswert. Dass er in seiner Funktion als Oberbürgermeister jedoch städtische Unternehmen ausbremst, sich auf der Messe zu präsentieren, stößt mir persönlich unangenehm auf. Man kann von der AfD halten was man will: Es ist eine demokratische Partei, die vielen Menschen in der aktuell schwierigen Zeit wie eine echte „Alternative“ vorkommt. Ob sie das ist, oder mit billigem Populismus auf Stimmenfang geht, muss jeder selbst entscheiden. Ich hätte mir von einem erfahrenen Polit-Profi wie Hilgen gewünscht, dass er offensiv den Dialog mit möglichen AfD-Wählern sucht und nicht den einfachen Weg des „Boykotts“ wählt. Den Eigenbetrieben der Stadt wird bei einer Nicht-Teilnahme die Möglichkeit einer überregionalen Präsentation verwehrt – und die AfD erhält so nur unnötig viel Aufmerksamkeit.

 

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