„Der Beruf ist eine Mutprobe in Blau“: Ex-Polizist Nick Hein gibt realistisches Einsatztraining

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Der "Sergeant" zu Gast in Kassel: Nick Hein zeigte realistisches Einsatztraining für Personen im öffentlichen Dienst.

Nick Hein ist nicht nur erfolgreicher Kampfsportler, sondern als Ex-Polizist auch ein Kenner der Branche. Bei einem Einsatztraining gab er seine Erfahrungen von Straße und Ring weiter. Und deutliche Worte zur Situation.

Kassel. Es ist nur einer von vielen Vorfällen, die Nick Hein erzählen kann. Doch genau dieser hat sich dem ehemaligen Polizisten ins Gedächtnis gebrannt, weil er vom Angriff völlig überrascht wurde. „Ich bin mit meiner Kollegin Streife gelaufen, an einem Bahnhof. Ein Passant ging an uns vorbei. Ohne Vorwarnung schubste er meine Kollegin auf die Gleise, zum Glück kam kein Zug“, sagt Nick Hein. Mittlerweile ist er kein Polizist mehr, sondern Mixed-Martial-Arts-Profikämpfer (MMA) und gibt Seminare, in denen er „realistisches Einsatztraining“ vermittelt. Nicht nur für Polizisten, sondern auch für Gefängnis-Mitarbeiter oder Sanitäter. Jetzt war Nick Hein in der „fit und sicher Akademie Umbach“ in Kassel zu Gast. Wir sprachen mit dem „Sergeant“, wie Nick Hein genannt wird, am Rande der Matte.

 

Nick Hein über...

...die Polizeiausbildung

„Die ist einfach viel zu lasch und nicht mehr zeitgemäß. Da herrscht eine riesige Diskrepanz zwischen dem, was Polizisten in der Ausbildung vermittelt wird und der Realität auf der Straße. Es werden Kampftechniken gelehrt, die auf der Straße einfach nicht funktionieren. In Deutschland ist man aber immer noch der Meinung, es wäre alles halb so schlimm.“

...über den Alltag im Dienst

„Der Ton ist deutlich rauer geworden, man hört ja auch immer häufiger von Übergriffen auf Polizeibeamte oder Rettungskräfte. Umso wichtiger ist es, sich gekonnt verteidigen zu können.“

...mangelnden Respekt 

„Die Uniform, speziell der Polizei, davor hatte man früher noch Respekt. Das hat sich geändert. Heute ist die Uniform eher eine Zielscheibe, man ist eine Mutprobe in Blau.“

...sein Training

„Mein Training orientiert sich am Kampfstil des MMA. Kampftechniken wie Krav Maga sind auf der Straße ungeeignet, ich muss schnell reagieren können, wenn mich jemand angreift und womöglich noch ein Messer zieht. Und auch Gewalttäter können sich in Kampfsportarten ausbilden lassen, dem muss ich etwas entgegensetzen können. Das Einsatztraining ist aber immer zweckmäßig, es geht nicht darum jemanden k.o. zu schlagen, sondern effektiv die Gefahr abzuwenden ohne meinen Gegenüber zu verletzen. Nach dem Training setzen wir uns zusammen und jeder kann über seine Erfahrungen im Dienst sprechen. Da sind zum Teil heftige Geschichten dabei. “

...künftige Kampfausbildung

„Ich würde mir wünschen, dass das MMA-basierte Kampftraining in die Ausbildung integriert wird, denn es funktioniert. Dass so viele zu meinen Trainingseinheiten kommen, kommt ja nicht von ungefähr und zeigt, dass sich die Kollegen unsicher fühlen. Ich kann aber auch nicht jedes Wochenende Seminare geben, ich bin schließlich MMA-Profikämpfer.“

Zur Person Nick Hein

Nick Hein wurde am 24. April 1984 in Köln geboren. In seiner Jugend holte er unter anderem im Judo-Sport den Deutschen Jugendmeistertitel. 2007 wurde er nochmals Deutscher Meister. Sein Abitur machte er in Berlin. Die Ausbildung zum Bundespolizisten beendete er 2007. 2010 tauschte er seine Profisport- gegen eine Amateurkarriere als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer. 2014 quittierte er nach elf Jahren den Polizeidienst. Danach widmete er sich vollständig den Mixed Martial Arts und steht unter Vertrag der weltweit größten Organisation des Sports, Ultimate Fighting Championship (UFC); sein Spitzname lautet „Sergeant“. 2016 erschien sein Buch „Polizei am Limit“, in dem es um den Polizeialltag und die Probleme im derzeitigen Polizeidienst geht.

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