Bewährungsstrafen für Ex-Hells Angels-Mitglieder

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Wegen versuchter Erpressung wurden heute vor dem Kasseler Amtsgericht zwei Brüder zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Kassel. Wegen versuchter Erpressung wurden heute vor dem Kasseler Amtsgericht zwei Brüder zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der ehemalige 49-jährige Präsident der inzwischen verbotenen und aufgelösten Hells Angels Göttingen wurde zu einem Jahr und drei Monaten, sein 52-jähriger Bruder zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Weiter müssen beide jeweils als Bewährungsauflage 1.000 Euro an den Weißen Ring zahlen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig, weil Verteidiger und Staatsanwaltschaft das Urteil annahmen.

Zwei weitere Mittäter im Alter von 26 und 27 Jahren, die ebenfalls wegen versuchter gemeinschaftlicher Erpressung angeklagt sind, erschienen nicht vor Gericht. Gegen sie ließ die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl ausstellen. Unter den Besuchern wurden im Gerichtssaal keine ehemaligen "Brüder” – wie sich die Clubmitglieder untereinander nennen – gesichtet. Ein Kenner der Szene: "Die haben das Ding auf eigene Faust gedreht. Man hat sie danach aus dem Club geschmissen.”

Neue Straftat während Bewährungszeit

Vor Gericht gestanden die beiden Männer ihre Tat. Richterin Ferchland hielt ihnen bei der Findung des Strafmaßes eine geänderte Lebensführung mit Familie und einer geregelten Arbeitsstelle zugute und verzichtete trotz einschlägiger Vorstrafen der Brüder auf eine Haftstrafe – obwohl beide zur Tatzeit im September 2014 wegen früherer Delikte unter laufender Bewährung standen.

Der 49-Jährige hatte am 24. September 2014 gemeinsam mit seinem Bruder sowie den beiden Mitangeklagten, die Prospects (Probe-Mitglieder) der Rockergruppierung waren, einen 60 Jahre alten Mann in Wahlsburg (Altkreis Hofgeismar) aufgesucht und unter Drohungen versucht haben, von diesem 100.000 Euro zu erpressen.

Kinderpornografie auf Rechner

Laut Anklageschrift soll der Mann aus Wahlsburg Mitgliedern des Rockerclubs unterstellt haben, dass sie bei ihm in die Wohnung eingebrochen seien, nachdem diese ihm bei einem Umzug geholfen haben. Weil der Rocker-Präsident durch die Verdächtigungen seinen ganzen Club verunglimpft sah und dadurch auch den möglichen Ausschluss des Hells Angels MC Charters Göttingen aus der Oberorganisation Hannover befürchtete, sollte der 60-Jährige 30.000 Euro Schadensersatz zahlen. Für die Zahlung soll von dem 48 Jahre alten Angeklagten im Nachgang eine Frist bis zum 29. September gesetzt worden sein. Bei Nichtzahlung drohten die Rocker angeblich ihn zu erschießen.Über den tatsächlichen Einbrecher will das Rocker-Quartett in den Besitz des Laptops des 60-Jährigen gekommen sein. Weil sich darauf große Mengen kinderpornografischer Dateien befanden und die Angeklagten wussten, dass er zuvor einen höheren Geldbetrag von einer Versicherung erhalten habe, sollte der Wahlsburger nun um 100.000 Euro erpresst werden.

Vor Gericht bestätigte eine Polizeibeamtin, dass auf dem Rechner Kinderpornografie sichergestellt wurde. (Gegen den 60-Jährigen wird bereits ermittelt). "Wenn sie das gleich bei der Polizei angezeigt hätten, hätten sie sogar noch ein Lob bekommen. Aber den Mann zu erpressen geht natürlich nicht", so die Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger der Angeklagten berichteten vor Gericht, dass die U-Haft die Männer entscheidend beeinflusst hätte und sie daraufhin ihren Lebensstil geändert hätten. Schmerzlich vermisse der Ex-Präsi jedoch sein Motorrad. Dafür müsse er jeden Monat eine Rate von 250 Euro abbezahlen und habe nichts davon. Denn das Motorrad hatte die Polizei nach der Verhaftung einbehalten.

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