Bischof Martin Hein: Flüchtlinge verändern Kirche

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Das ist bei der evangelischen Herbstsynode noch nie passiert: Aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation warf Bischof Prof. Martin Hein Programm um.

Kassel. Das ist bei der evangelischen Herbstsynode noch nie passiert: Aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation warf Bischof Prof. Dr. Martin Hein kurzerhand das Programm um und stellte die Flüchtlingsproblematik in den Vordergrund."Für unser kirchliches und diakonisches Engagement zählt der einzelne Mensch. Ihm und nicht den Flüchtlingen als Statistik oder als unpersönliche ,Flut’ gilt unsere Aufmerksamkeit”, stellte Hein unmissverständlich klar. "Der Einzelne muss

zu seinem Recht kommen. Die Freiheit dazu haben wir. Den Mut können wir im Glauben finden.” Hein nimmt dabei die Sorgen der Menschen ernst. Mahnte aber auch: "Die Angst malt Schreckensszenarien, der Glaube Szenarien des Gelingens.” Mit Blick auf die politischen Aktivitäten der letzten Zeit machte Hein aber auch ausdrücklich deutlich: "Wir werden Gesetzesvorhaben kritisch begleiten.” Dazu gehört die Aussetzung des Familiennachzugs, die Absenkung von Soziallleistungen, beschleunigte Asylverfahren, angedrohte Abschiebungen nach Afghanistan. "Das neue Asylverfahrenbeschleunigungsgesetz ist die weitreichendste Verschärfung des Asylrechts der letzten 20 Jahre”, warnte Hein.

Ausdrücklich dankte Hein allein Ehrenamtlichen, die versuchen, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. In Deutschland seien das rund 240.000 evangelische Christen. Für Aktivitäten in diesem Bereich hat die Evangelische Kirche in Kurhessen-Waldeck eine Million Euro zur Verfügung gestellt. Schon im vergangenen Jahr wurde der Etat für Flüchtlingsberatung erhöht, die Stelle der Beauftragten für Flucht und Migration aufgestockt. 43 Immobilien will die Kirche als Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung stellen. Auch Freizeiteinrichtungen könnten eine Unterkunft für unbegleitete Jugendliche werden. Der Bischof bekräftigte seinen Appell, in der kalten Jahreszeit als letzte Möglichkeit auch die Kirchen als Notunterkünfte zu öffnen. Er betonte, er wolle damit den Ernst der Lage unterstreichen. Hein wagte die Prognose, auch die Kirche werde sich durch die eingetretene Entwicklung verändern: "Das Gesicht unserer Kirche wird bunter. Interkulturelles Lernen und interkulturelle Öffnung werden an Bedeutung gewinnen. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe können wir uns diesen Aufgaben zu

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