Bleibt der Obelisk in Kassel und wenn ja - wo?

+
Der Obelisk auf dem Königsplatz.

Am documenta-Kunstwerk auf dem Königsplatz hat sich eine heiße Diskussion entzündet. Jetzt melden sich die Rathaus-Fraktionen zur Standort-Frage. Und auch in der Redaktion gibt es geteilte Ansichten: Ein Pro und Contra von Chefredakteur Rainer Hahne und Redaktionsleiter Victor Deutsch.

Kassel.  Der Obelisk auf dem Königsplatz, erschaffen vom Künstler Olu Oguibe zur documenta 14, erhitzt weiter die Gemüter. Nun haben sich die Rathaus-Fraktionen in die Diskussion um den Verbleib und Standort eingeschaltet.

CDU: Einseitige Vorfestlegung

„Es kann nicht sein, dass lediglich einige wenige Sponsoren, die Vorlieben der Kulturdezernentin oder aber die Preisvorstellungen eines Künstlers darüber entscheiden, welche Dinge künftig das Stadtbild prägen”, erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Michael von Rüden. Die einseitige Vorfestlegung für den Standort auf dem Königsplatz sei nicht unumstößlich, der Magistrat sei gut beraten, aus der Geschichte zu lernen und ein weiteres „Treppen-Dilemma“ zu verhindern, lautet es aus den Reihen der CDU. „Für die CDU ist klar, dass die Kasseler Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungen über den Obelisken eingebunden werden müssen. Eine Möglichkeit dazu wäre ein so genanntes Ratsbegehren“, so Dr. von Rüden.

Grüne: Verbleib am Standort?

„Der Obelisk ist ein starkes Zeichen für ein weltoffenes Kassel, dem der Künstler an einem bewusst gewählten Ort seinen Ausdruck verliehen hat.“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Dieter Beig für die grüne Rathausfraktion. Die Grünen bitten die Bürger, sich ebenfalls für den Verbleib des Obelisken in Kassel einzusetzen. Zu gegebenem Zeitpunkt müsse dann mit dem Künstler über den Kaufpreis und einen möglichen anderen Standort verhandelt werden. Dieter Beig: „Der CDU empfehle ich, sich nicht hinter einem Vertreterbegehren zu verstecken. Wäre ein solches seinerzeit zu den Beuys-Steinen vor dem Friedrichsplatz durchgeführt worden, könnten wir heute vermutlich nicht stolz auf das Kunstwerk 7000 Eichen blicken.“ Kunst könne und solle nicht gefällig sein, sie könne aber offene gesellschaftliche Probleme in den Blick nehmen, Nachdenken und Diskussionen anregen und über das Heute und Jetzt hinausweisen. Gerade die Kontroversen um den Obelisken zeigen, wie notwendig er sei.

SPD: Königsplatz nicht gesetzt

„Über Geschmack und Kunst lässt sich trefflich streiten“, so die Vorsitzenden der SPD-Fraktion und des Unterbezirkes Kassel-Stadt, Dr. Günther Schnell und Wolfgang Decker. In der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Obelisken müsse man deshalb aufpassen, dass aus den einzelnen Positionen keine falschen Rückschlüsse gezogen werden. „Wir diskutieren den Ankauf eines Außenkunstwerkes der letzten documenta, nicht mehr und nicht weniger“, so Schnell und Decker weiter. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass diejenigen, die den Standort kritisieren oder sich nicht an der Spendenaktion beteiligen, gleichzeitig der Intention des Kunstwerkes zuwiderhandeln und ausländerfeindlich sind. Die SPD-Fraktion begrüße eine inhaltliche Debatte, fernab von Ressentiments, um einen geeigneten Standort, damit im Falle eines Ankaufes der Obelisk als Symbol der vergangenen documenta im Kasseler Stadtbild erhalten bleiben kann. „Für uns ist der Standort Königsplatz aber nicht gesetzt. Wir wollen vielmehr einen Standort, der die größtmöglich Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt findet“, erklären die beiden Vorsitzenden für die Stadtverordnetenfraktion und des Unterbezirkes abschließend und schlagen gleichzeitig vor, sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort im Bereich der von Hugenotten gegründeten Oberneustadt zu begeben.

Die Spendenaktion

Die Stadt Kassel hat mit dem Künstler Olu Oguibe am 23. Januar eine gemeinsame Spendenaktion ins Leben gerufen, um die Arbeit als dauerhaftes Außenkunstwerk für Kassel zu erwerben und zu erhalten. 600.000 Euro sollen auf diesem Weg zusammenkommen. Wenn das Spendenziel innerhalb von drei Monaten nicht erreicht wird, ist es dem Künstler überlassen, ob er die dann erreichte Summe als Kaufpreis akzeptieren möchte. Sollte dies nicht der Fall sein und der Obelisk somit nicht angekauft werden, erhalten alle Spender ihr Geld zurück.

++++++ PRO ++++++ von RAINER HAHNE

Eben habe ich mir den Obelisken noch einmal angeschaut. Er steht mitten auf dem Königsplatz als ob er schon ewig da wäre. Er ist der neue Mittelpunkt der Stadt. Hier trifft man sich. Während der documenta habe ich mich immer wieder mit Freunden aus ganz Deutschland hier verabredet. Und alle waren beeindruckt. Die documenta 14 wird als die Ausstellung der weltweiten Fluchten in Erinnerung bleiben. Der Obelisk ist deshalb genau die richtige Erinnerung. Dass er auf einem Platz steht, der von einem Flüchtling, einem Hugenotten, geplant und gebaut wurde, macht die Sache rund. Es scheint so zu sein, als ob der Platz auf dieses Kunstwerk gewartet hätte. Das Kunstwerk selbst? Mit einem genialen Kunstgriff hat der Künstler aus dem Obelisken, der früher das Medium von Kaisern, Sultanen, Pharaonen war, ein Mahnmal für die Ärmsten der Armen gemacht. Mit einem Zitat aus der Bibel erinnert er uns daran, dass Gastfreundschaft auf der Welt unverzichtbar ist. Und wenn der Obelisk als entstellte Kunst bezeichnet wird? Arnold Bode würde sagen: „Dann gehört er zur documenta. Denn die erste documenta war eine Ausstellung der sogenannten entarteten Kunst.“ Menschen, die so über Kunst urteilen, urteilen über sich selbst. Der Obelisk muss uns als Treffpunkt und Mahnmal erhalten bleiben.

+++++++ CONTRA +++++++ von VICTOR DEUTSCH

„Warum nur?“, hat man sich gefragt. Warum nur stößt der Obelisk auf dem Königsplatz auf so große Ablehnung und erfährt nicht die gleiche Begeisterung, die die Ankaufspläne von Borowskys Himmelsstürmer und Penones Bronzebaum einst in breiter Öffentlichkeit entfacht haben? Die Antworten dafür hatte man schnell gefunden: a) Alles pure Fremdenfeindlichkeit, die sich an der Inschrift des Obelisken reibt. b) Eine Abrechnung mit der documenta 14 an sich, die ein Finanzloch produzierte. Fast froh über ein derartiges Meinungsbild wurde dann auch laut auf allen Gegnern eines Ankaufs herumgehackt. Und dabei ganz vergessen, dass es auch c) Menschen gibt, die das Kunstwerk mit seiner Aussage und Gestalt etwas platt finden oder d) den Königsplatz als aufgezwungenen Standort nicht optimal finden. Gerade letzteres müsste doch dem einleuchten, der das unsägliche Ringen zwischen Stadt und Künstler um die „Treppe“ noch in lebendiger Erinnerung hat. Und dass die Kasseler mit ihrem Königsplatz in seiner jetzigen Ausgestaltung noch immer keinen Frieden geschlossen haben, ist auch kein Geheimnis. Man hätte es vielleicht dem Künstler mal sagen sollen, bevor er mit der glänzenden Idee der künstlerischen Platzgestaltung um die Ecke kam. Jetzt lenkt sogar die SPD ein, nachdem CDU und FDP die Standortfrage vom Ankauf abgekoppelt haben. Und dann könnte es durchaus sein, dass ein Stück documenta 14 weiter im Stadtbild sichtbar bleibt. Und um den Königsplatz kümmert sich die Stadt dann wieder selbst.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Mensch stirbt bei Wohnungsbrand in der Kölnischen Straße

Heute Nachmittag fand die Polizei eine tote Person in einer durch Feuer verrußte Wohnung in der Kölnischen Straße in Kassel.
Mensch stirbt bei Wohnungsbrand in der Kölnischen Straße

Fahrzeugbrand in der Kronenackerstraße: Ermittler gehen von Brandstiftung aus

In der Kasseler Kronenackerstraße brannte ein Audi A 6 in der Nacht zum Freitag vollkommen aus.
Fahrzeugbrand in der Kronenackerstraße: Ermittler gehen von Brandstiftung aus

Unbekannter belästigt Mädchen an Gelnhäuser Straße: Polizei sucht Zeugen

Ein Unbekannter soll am Donnerstagmittag im Kasseler Stadtteil Rothenditmold ein zehn Jahre altes Mädchen belästigt und auch unsittlich berührt haben.
Unbekannter belästigt Mädchen an Gelnhäuser Straße: Polizei sucht Zeugen

Kasseler erzockt sich 30.000 Euro-Ticket für Pokerturnier in der Karibik

Er ist frisch verheirat und fliegt demnächst in die Flitterwochen nach Hawaii. Nicht die einzige Reise an ein Traumziel, die dem Kasseler Pokerspieler Markus Ziegler …
Kasseler erzockt sich 30.000 Euro-Ticket für Pokerturnier in der Karibik

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.