Blutüberströmt: Senior stürzt in Kasseler Linienbus

Nur noch Pflaster statt Kopfverband: Knapp drei Wochen ist es her, dass Werner Aretz sich bei einem Sturz in einem Linienbus verletzte.
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Nur noch Pflaster statt Kopfverband: Knapp drei Wochen ist es her, dass Werner Aretz sich bei einem Sturz in einem Linienbus verletzte.

Ein Unfall, zwei Meinungen: Wer hat dem verletzten 80-Jährigen nun wirklich geholfen?     

Kassel. Mit seinen 80 Jahren ist Werner Aretz noch ganz schön fit. In ganz Nordhessen ist er unterwegs, Freunde und Bekannte besuchen, Termine wahrnehmen und das alles immer mit dem öffentlichen Nahverkehr. Doch auch der sportlichste Senior wird machtlos, wenn Füße und Boden für einen Moment nicht zusammen passen wollen. Genau das passierte dem Rentner am 8. Oktober. Aus seinem Heimatort Neukirchen war er morgens mit dem Zug nach Kassel gefahren, um hier einen Arztcheck durchführen zu lassen.

„Ich bin am Bahnhof Wilhelmshöhe um 7.30 Uhr in den Bus der Linie 11 eingestiegen“, erzählt Werner Aretz. „Dabei bin ich wohl auf dem furchtbar nassen Boden ausgerutscht, der Länge nach hingefallen und mit dem Kopf auf den Boden geschlagen.“ Er will sich schnell aufrappeln, was ihm aber nur mit Hilfe zweier weiblicher Fahrgäste gelingt, da sich seine Beine an den Sitzstützen verheddert haben. Das Blut läuft ihm in Strömen aus einer Wunde am Kopf.

Die Helferinnen begleiten den Senior aus dem Bus, setzen ihn an der Haltestelle auf eine Bank setzen und während die eine versucht, die Blutung zu stoppen, alarmiert die andere den Rettungsdienst. Beide bleiben bei ihm, bis ihn ein Krankenwagen ins Rote Kreuz Krankenhaus bringt. Hier diagnostizieren die Ärzte eine schwere Platzwunde an der Stirn, sowie Prellungen an Armen und Beinen. Zur Sicherheit wird noch ein MRT erstellt, dann „durfte ich mit einem dicken Turban, also einem Kopfverband nach Hause“, erzählt Werner Aretz. Zum Verbandswechsel stellt er sich seitdem regelmäßig bei seinem Arzt in Kassel vor; der Turban ist mittlerweile auf Pflastergröße geschrumpft, doch die Kopfschmerzen halten unvermindert an. Am gestrigen Freitag hat er deshalb einen Anwalt mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt.

Was den Senior ärgert, ist die seiner Meinung nach unzureichende Reaktion des Busfahrers. „Der Fahrer ist quasi vorne auf seinem Sitz geblieben und hat sich kaum gekümmert“, behauptet Werner Aretz.

Eine Sichtweise, die man seitens der Kasseler Verkehrsbetriebe (KVVG) zurück weist. Nach Angaben des Fahrers und eines zufällig vor Ort anwesenden Verkehrsmeisters habe sich der Fahrer sofort um den gestürzten Mann gekümmert. „Er hat ihm geholfen, aufzustehen, hat ihn zusammen mit einem Fahrgast aus dem Bus begleitet, anschließend die Leitstelle informiert, damit sie einen Rettungswagen alarmieren kann“, so eine Sprecherin der KVVG. „Der Mann wurde außerhalb des Busses von anderen Personen betreut, bis der Rettungswagen eintraf. Auch das hatte unser Fahrer sichergestellt“.

„Wir bedauern sehr, dass sich der Mann verletzt hat, können aber kein Fehlverhalten unseres Mitarbeiters erkennen, zumal dies der Dienstanweisung nach der Betriebsordnung im Bus entspricht: „Die Betreuung hilfloser und verletzter Personen obliegt so lange dem Mitarbeiter, bis ein anderer die Fürsorge übernommen hat.“

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