Bomben zerstörten das Hotel Schirmer am Kasseler Scheidemannplatz

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„Geschmackvoll und gemütlich“: Das Hotel Schirmer am Scheidemannplatz genoss einen ausgezeichneten Ruf.

Nichts deutet heute mehr darauf hin, dass dies mal eine der beliebtesten Adressen in Kassel war, wenn es um große Feste wie beispielsweise Silvesterbälle ging. Täglich fahren tausende von Autos daran vorbei – und so gut wie niemand weiß, dass das schmucklose Gebäude am Scheidemannplatz ein Relikt aus dem alten Kassel ist, das nach dem Krieg wieder hergestellt wurde.

Kassel.  „Das Schirmer“ – so nannten die Kasseler dieses gleichnamige Hotel. Ein Hotel desselben Namens hatte es im 19. Jahrhundert am Königsplatz gegeben. Albert Mann hieß der Inhaber und er erwarb im Jahr 1900 das Hotel-Friedrich-Wilhelm am Friedrich-Wilhelms-Platz: Das ist der heutige Scheidemannplatz. Er ersetzte den Hauptbau durch einen Neubau in modernen Jugendstilformen, in den folgenden Jahren folgten mehrere Erweiterungen.

Nach seinem Tod führten seine Frau Käthe (Tochter des ehemaligen Hofkonditors Paulus vom Café Paulus) und die Söhne Reinhold, Walter und Günther den Betrieb fort. Und rührten kräftig die Werbetrommel. So heißt es in einem Prospekt: „Hundert wohnlich und komfortabel eingerichtete Zimmer mit fließendem warmen und kalten Wasser und 120 Betten, 25 behaglich ausgestattete Bäder, Konferenz-, Lese- und Ausstellungsräume, eine geräumige Halle, mehrere vornehm ausgestattete Säle, darunter einer mit einer reizenden Liebhaber-Bühne, geben dem Hotel den Reiz eines ebenso geschmackvollen wie gemütlichen Hotels ersten Ranges.“

In der Bombennacht brannten die Gebäude aus.

Mit der Ausstattung entwickelte sich das Schirmer zu einem Modelokal, wie das Kasseler Tageblatt schrieb. In der Silvesternacht feierten 500 Menschen – die Hauskapelle und ein weiteres Orchester spielten auf, dazu gab es Tanzmusik aus einem „Lautsprecherapparat“. In der Bombennacht des 22. Oktober 1943 brannten die Gebäude aus. Der ältere Gebäudeteil am Akazienweg war stark beschädigt, die jüngeren Gebäudeteile blieben wegen ihrer massiven Bauweise erhalten. Nach und nach wurden die Gebäudeteile wieder nutzbar gemacht, auch das alte Hauptgebäude, allerdings ohne Giebel und Balkone, der Vorbau an der Straßenecke wurde verkürzt.

So sieht es heute aus: Das Gebäude büßte beim Wiederaufbau Vorbau, Balkone und Giebel ein.

1947 wurde von den Wirtschaftsbetrieben L. Neuburger in Kassel ein Antrag auf eine Vollkonzession für das Hotel Schirmer gestellt. Ludwig Neuburger war vorher Pächter der Werkskantine bei Henschel gewesen. Die Konzession wurde aber nicht erteilt. Grund: Neuburger habe weder fachliche Kenntnisse und sei persönlich nicht zuverlässig. Diese Einschätzung basierte auf Vorkommnissen rund um den Geschäftsbetrieb der Henschel-Kantine, die der Mann plötzlich geschlossen hatte. Die Hintergründe wurden später klar: Am 26. Juni 1948 wurde Neuburger verhaftet – wegen der Verschiebung zwangsbewirtschafteter Waren in seiner Zeit als Pächter der Henschel-Kantine. Damit endet die Akte des Hotels Schirmer.

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