Branner-Schild unter der Brücke: Peinlich und inakzeptabel

Fulda, Schild, Karl-Branner-Brücke, Branner

Die Stadt Kassel erreicht beim Umgang mit der NS-Vergangenheit des ehemaligen Oberbürgermeisters Branner und Brückenpaten einen neuen Tiefpunkt

Kassel.  "Der Ort der Anbringung der Gedenktafel an der Karl Brunner Brücke ist die konsequente sarkastische Fortsetzung einer absolut peinlichen historischen Fehlleistung des Kasseler Magistrats", erklärte Dietmar Bürger, ehemaliger SPD-Stadtverordneter und Ortsvereinsvorsitzender der SPD-Wesertor. Was war passiert? Im Sommer 2015 hatte die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, der Karl Branner-Brücke ihren Namen zu lassen, aber mittels einer Info-Tafel über die NS-Vergangenheit des ehemaligen Oberbürgermeisters aufzuklären. Zwei Ortsbeiräte hatten alternativ den Namen "Brücke am Rondell" vorgeschlagen. Die vom Magistrat selbst beauftragten Historiker, kritisieren bereits damals den Wortlaut als "Verdrehung der Forschungsergebnisse". Nun hängt die besagte Tafel. Unter der Brücke. In drei Metern Höhe. "Es wäre daher besser, wenn der Magistrat diese katastrophale Tafel wieder abhängen und der Stadt Kassel weitere Peinlichkeiten ersparen würde", so Dietmar Bürger.

"Der Magistrat verlässt mit der Anbringung einer nicht lesbaren Tafel an einem unbedeutenden Teil der Brücke den Weg einer ernsthaften Debatte und verspielt jede Glaubwürdigkeit bei der geschichtlichen Aufarbeitung", so der Vorsitzende Thomas Träbing vom CDU Stadtbezirksverband Kassel-Unterneustadt . Die Anbringung der Tafel in drei Meter Höhe am Fuß der Brücke ist für die CDU-Unterneustadt völlig inakzeptabel. Träbing: "Eine Beibehaltung des Brückennamens ohne angemessene und glaubwürdige Aufarbeitung ist eine Farce und ein Argument mehr, dem Vorschlag der Ortsbeiräte Unterneustadt und Mitte zu folgen und den Brückennamen komplett zu ändern."

Zwischenruf von Victor Deutsch

Es wäre so einfach gewesen: Über eine "Brücke am Rondell", wie von den benachbarten Ortsbeiräten vorgeschlagen, wäre wohl jeder Bürger gerne gegangen. Doch so einfach wollte sich die SPD nicht vom Andenken an ihren NS-belasteten Oberbürgermeister trennen, wo man doch schon den Namen der Rathaus-Seitenhalle hergeben musste. Was folgte, lässt selbst hartgesottene Genossen die flache Hand vor die Stirn schlagen. Zunächst wird ein Text erstellt, über den sich Historiker echauffieren. Und nun, möglicherweise geleitet von einem Fünkchen Einsicht oder schlicht beschämt von der eigenen Peinlichkeit, versteckt man die Tafel unter der Brücke. Aus Schutz gegen Vandalismus – und das darf man fast als Einladung zum selbigen verstehen – wählte man den Platz weit über Augenhöhe. "Man hätte sich nicht wundern brauchen, wenn sie flussseitig montiert worden wäre", ätzt man da schon gegen das Vorgehen der Stadt.Das Thema dürfte noch längst kein Ende haben. Und da muss man den Freien Wählern und den Piraten danken, es per Antrag erneut in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht zu haben.  Hier soll  erneut über den Namensvorschlag "Brücke am Rondell" diskutiert werden.

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