Braucht es einen europäischen Islam?

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Angst vor Salafisten: Der EXTRA TIP sprach mit Mahmud Eryilmaz, Vertreter der muslimischen Gemeinden in Kassel, über Terror und den Koran.

Kassel. In Kassel ist er geboren, in Kassel studiert er Politikwissenschaft. Der EXTRA TIP sprach mit Mahmud Eryilmaz, der die muslimischen Gemeinden im Ausländerbeirat vertritt.

ET: Kasseler Jugendliche in das grausamen Morden in Syrien verwickelt. Haben Sie das gewusst?Mahmud Erylmaz: Nein, das wusste keiner. Er war in der Al Rahman Moschee. Die dortige Gemeinde zählt zu den Salafisten und will mit uns nichts zu tun haben. Sie sind für uns wie für Andersgläubige gleich gefährlich. Wir sind in deren Augen wertlos. Darum spricht man nicht mit uns. Sie haben vor niemand Respekt.

Warum sind sie so?Sie lesen und verstehen den Koran genauso wie vor 1400 Jahren und glauben, Sie sind die einzig richtige Religion. Sie suchen nach einzelnen Textstellen, um ihre Gewalttaten zu legitimieren. Jugendlichen liefern sie so einfach zu verstehende Identifikationsmuster. Diese Gruppe radikalisierter Menschen verfolgt politische Ziele. Salafisten und der ISIS-Staat gehören zusammen.Gibt es für diesen Konflikt denn überhaupt keine Lösungsansätze?Es gibt die Idee des europäischen Islam. Der Prophet Mohammed hat gesagt: "Wandelt Euch nach den Bedürfnissen Eurer Zeit.” Der Islam Nordafrikas passt nicht nach Europa.

Was müsste also passieren?Ich schlage vor, ein Institut für Islamwissenschaft an der Universität Kassel einzurichten. Fachleute sollen sich mit den oft schwierigen Textstellen des Korans auseinandersetzen. Für diese Pläne brauchen wir allerdings gesellschaftliche Unterstützung.

Wie soll die aussehen?:Zunächst einmal haben die muslimischen Gemeinden, die zum "Rat der Religionen” gehören, beschlossen, sich weiter den Menschen aus der Region zu öffnen. Aber wir gehen auch schon auf andere zu.

Was für Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?Nur gute. Egal, auf welche Religion wir in Kassel zugegangen sind, wir wurden mit offenen Armen empfangen. Wir haben das Glück, dass in Kassel viele Menschen sind, die die Probleme sehen und zukunftsgerichtet handeln. Außerdem möchte Kassel Weltkulturhauptstadt werden. Da könnte es entscheidend sein, wenn die Kulturen in der Stadt so miteinander umgehen. Ein Institut mit islamischer Didaktik könnte darüber hinaus sogar jungen Polizisten und Richtern helfen, uns besser zu verstehen.

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