Briefwechsel: B. Braun geht nach Afrika

Sehr geehrter Professor Heinz-Walter Große, in diesen Tagen haben Sie mal wieder einen großartigen Jahresabschluss für 2016 hingelegt. Fast 25 Prozent mehr Überschuss hat B. Braun erzielt.

Diesen Erfolg haben Sie mit fast 60.000 Mitarbeitern erarbeitet nicht trotz, sondern weil Sie nie Ihre Mitarbeiter und auch die Region oder die Länder, in denen Sie produzieren, aus den Augen verloren haben. Dort verdienen Sie das meiste Geld, wo Sie nicht nur liefern, sondern auch produzieren.

Eigentlich zwingend logisch, dass sich B. Braun mehr um Afrika kümmert. Sie, Herr Große, sind der Vorsitzende der Subsahara-Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft. Diese Initiative setzt sich – auch ganz im Sinne unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel – für die Intensivierung der Kontakte zwischen der afrikanischen und der deutschen Wirtschaft ein. B. Braun hat bereits Produktionsstätten in Südafrika und will weiter investieren. In Nairobi waren Sie auch mit dem gesamten Vorstand, um eine Afrika-Strategie für den Konzern zu entwerfen. Zielgebiete der Überlegungen sind erst einmal neben Südafrika auch Kenia und Simbabwe.

Wie wichtig diese Überlegungen und die sicher daraus erwachsenen Investitionen und Planungen für Afrika sind, ist mir wenig später klar geworden. Ich war bei den „Langenhagener UNO-Gesprächen“, organisiert von der „Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen“. Dr. Klaus Töpfer hat dort über die aktuelle Lage in Afrika gesprochen. Vorsichtig ausgedrückt ist es mal wieder erschütternd. Hungersnöte und verdurstende Kinder gibt es dort, solange ich denken kann.

Doch diesmal können die Vereinten Nationen (UNO) kaum helfen. Gerade rechtzeitig hat jemand in den USA das Ruder in die Hand genommen, der mit Ihrer Firma nichts gemein hat. Soziales Gewissen ist für Donald Trump ein absolutes Fremdwort. Während in Afrika die Menschen verhungern, fordert er Deutschland auf, aufzurüsten. Gleichzeitig hat er die Zahlungen an die Welthungerhilfe der UNO gestoppt, obwohl die amerikanischen Landwirte als Lieferanten am meisten davon profitiert haben.

Wie pervers ist das eigentlich? Den Verhungernden wird die Hilfe gestrichen und gleichzeitig wird aufgerüstet, um die notleidenden Menschen daran zu hindern, nach Europa zu kommen. Unsere Politiker sollten mehr Geld in die UNO investieren. Dann bleiben die Menschen auch dort, wo ihre Heimat ist. Investitionen der deutschen Wirtschaft wie die Ihres Konzerns sind dann so richtig sinnvoll, um für die Jugend Afrikas Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen.

Mit verantwortungsvollen Grüßen
Rainer Hahne
Chefredakteur

PS. Für die Blauhelme hat die UNO auch kaum noch Geld. Staaten wie Uruguay können deshalb keine Soldaten mehr abstellen. Warum zahlen wir nicht freiwillig mehr an diese Organisation, die weltweit den Frieden erhalten will? Warum schicken wir stattdessen Soldaten?

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