Briefwechsel: Deutschland – Land der Angst?

Sehr geehrte Angsthasen, es ist mal wieder soweit. Im September werden die Ergebnisse der alljährlichen Angstforschung bekannt gegeben. Und ich staune jedes Jahr von neuem.

Warum hoffe ich eigentlich immer wieder, dass die Ängste etwas realistischer werden? Wie wäre es mit folgender Liste.

Platz 1: Angst vor einem Herzinfarkt – die Todesursache Nummer 1 in Deutschland.
Platz 2: Lungenprobleme - die Todesursache Nummer 2 in Deutschland.
Platz 3: Autofahren. Grund für jährlich rund 2000 Tote und zahllose Verletzte.
Platz 4: Scheidungen. Hauptursache für Verarmung in Deutschland.
Platz 5: Da fällt mir noch nicht mal mehr was ein. Das Bett vielleicht? Schließlich sterben die meisten Deutschen im eigenen Bett.

Bei dieser Angstliste könnte man wenigstens selbst was machen. Wir könnten mehr Sport treiben, um das Herz- Kreislaufsystem zu stärken. Gegen das Übergewicht könnten wir aus demselben Grunde angehen. Angst sollten wir haben, wenn wir nach unten schauen und die Schuhe nicht mehr sehen können. Wir können das Rauchen einstellen, um die Lunge zu entlasten. Autofahren könnten wir auf die nötigsten Fahrten reduzieren. Wir könnten darauf verzichten, nachts in Städten Rennen zu fahren oder auf der Autobahn die Höchstgeschwindigkeit unserer Fahrzeuge auszuprobieren.

Und ganz große Angst sollten wir entwickeln, wenn unsere Beziehung kaputt zu gehen droht. Denn die Scheidung sorgt in fast jedem Fall dafür, dass es uns persönlich richtig schlecht geht. Und für den Kontostand ist es eine Katastrophe. Von den Folgen für die betroffenen Kinder mal ganz zu schweigen. Aber all das taucht auf der alljährlichen Angstliste nicht auf. Stattdessen haben wir Angst vor Terroranschlägen. Diese Angst ist merkwürdigerweise nach dem Anschlag in Berlin gesunken.

Wir haben Angst vor politischem Extremismus. Was soll das denn? Hat wirklich jemand Angst vor dem halbdementen Gauland? Vor Frau von Storch? Vor „Willem” Höcke? Diese Gestalten sind höchstens peinlich. Wenn deren Anhänger unsere Bundeskanzlerin bei ihren Auftritten im Osten mit Tomaten bewerfen oder niederbrüllen zeigen sie höchstens, was sie für armselige Vögel sind. Das ist noch kein Grund, Angst davor zu haben, dass demnächst wieder Nazi-Sturmtruppen unser Land terrorisieren.

Angst davor zu haben, dass noch mehr Ausländer zuziehen, die Behörden und Politiker dadurch überfordert werden, erscheint mir übertrieben. Die Asylbewerberzahlen haben sich schon lange normalisiert. Und es amüsiert mich schon fast, dass jemand Angst vor der Überforderung von Beamten und Angestellten hat.

Mit wahltaktischen Grüßen
Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Angst vor Pflegebedürftigkeit im Alter steht auf Platz 6 der Allensbach-Untersuchung. Und das erscheint mir eine wirklich verständliche Angst.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Nach schnellem Hinweis: Einbrecher beim Eintreffen der Polizei noch "beschäftigt"

Dank der schnellen Reaktion der Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses im Vorderen Westen, wurde der Einbrecher noch beim Versuch, die Tür aufzuhebeln, festgenommen.
Nach schnellem Hinweis: Einbrecher beim Eintreffen der Polizei noch "beschäftigt"

Betrüger ergaunern fünfstelligen Betrag mit Enkeltrick: Hinweise auf Geldabholerin erbeten

Mit einem Enkeltrick haben Unbekannte am vergangenen Donnerstagnachmittag einen fünfstelligen Geldbetrag von einem Senior in Kassel-Harleshausen ergaunert.
Betrüger ergaunern fünfstelligen Betrag mit Enkeltrick: Hinweise auf Geldabholerin erbeten

Kassel Mitte: Müllberg wächst und stinkt immer mehr

In der Kölnischen Straße stinkt es gewaltig: Grund: Die Gelben Säcke!
Kassel Mitte: Müllberg wächst und stinkt immer mehr

Unbekannte versuchen in Kiosk auf Königsplatz einzubrechen und beschädigen teure Glastür

Nachdem der Versuch, in das Kiosk einzudringen, offenbar scheiterte, flüchteten die Unbekannten Täter.
Unbekannte versuchen in Kiosk auf Königsplatz einzubrechen und beschädigen teure Glastür

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.