Briefwechsel: Elbphilharmonie - Kosten um 1000 Prozent überzogen

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Chefredakteur Rainer Hahne schreibt diese Woche an Olaf Scholz, Oberbürgermeister von Hamburg.

Sehr geehrter Olaf Scholz,

Sie sind der Oberbürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg. In dieser Woche waren Sie in Elgershausen und haben den Sozialdemokraten des Landkreises von Ihren Visionen erzählt.

Schon da stand die Elbphilharmonie im Mittelpunkt. Schon da haben Sie gesagt: "Viermal muss ich in nächster Zeit in den Musiktempel. Da könnte man abheben. Aber hier in Elgershausen wurde ich wieder geerdet."

Deshalb war ich auf den Tag der Eröffnung gespannt. Was für ein Theater auf allen Kanälen. "Die Elbphilharmonie hat Hamburg auf einen Schlag in die Riege der Weltstädte katapultiert. Was sind dagegen die Pyramiden? Die chinesische Mauer? Gottvater kam persönlich und segnete den Musikhimmel."

Was für ein Geseiere. Irgendwann hatte ich die Nase aber so richtig voll. Haben Sie eigentlich alle wieder rausgekriegt, die Ihnen in den Hintern gekrochen sind? Wie wohltuend waren da die Worte unseres Bundespräsidenten. Der hatte offensichtlich als einziger in Erinnerung, dass dieser Bau finanzpolitisch eine einzige unfassbar große Katastrophe ist.

Achtzig Millionen sollte er nach dem ersten Kostenvoranschlag kosten. Rund 880 Millionen sind es wohl geworden. Eine kleine Überziehung um rund tausend Prozent. Dagegen ist die geringe Kostensteigerung unseres Flughafens eine Lachnummer. Aber was wurde darauf rumgehackt.

Aber eine Oper ist natürlich ganz was anderes. Da sammelt sich die Elite des Landes. Und dann ist natürlich nichts zu teuer. Dazu passt besonders gut, dass in dem Gebäude noch 45 Wohnungen sind. Quadratmeterpreis: 25.000 Euro. Viel zu billig für ein Gebäude, das die Milliardengrenze streift.

Sie, Herr Scholz, wollen alle Hamburger Schulklassen durch die Elbphilharmonie schleusen. Die Kinder sollen Kultur schnuppern. Keine schlechte Idee. Aber die werden wohl erst einmal warten müssen. Auf absehbare Zeit wird es wohl keine Karten für diesen Zweck geben. Alle Konzerte sind ausgebucht.

Sehr geehrter Herr Scholz, erklären Sie doch unserem Ministerpräsidenten Volker Bouffier und seinem Finanzminister Dr. Thomas Schäfer mal, wie Sie so mit dem Länderfinanzausgleich umgehen. Eigentlich ist Hamburg ja eine reiche Stadt. Doch der Beitrag 2015 war allenfalls überschaubar. Kein Wunder, wenn man selber mal so richtig auf den Putz haut und allein 800 Millionen Euro einplant, um Kita-Plätze kostenlos anzubieten.

Auch sonst haben Sie ja reichlich Ideen, wie man Geld ausgeben könnte. Vom Meister-Bafög bis zum Recht auf lebenslange Ausbildung. Vielleicht können wir Hessen ja von Ihren finanziellen Drahtseilakten lernen und unser Geld im eigenen Land halten.

Mit musikalischen Grüßen

Rainer HahneChefredakteur

P.s. Ich gestehe – diese Denkweise ist vielleicht etwas kleinkariert. Aber es sträubt sich in mir alles, über die goldene Leiter in den Himmel der ewigen musikalischen Glückseligkeit zu steigen.

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