Briefwechsel: Endlich wieder Randale!

Sehr geehrte Wählerinnen und Wähler, na, da haben wir den Politkern aber mal so richtig was zu denken gegeben. Es war uns einfach zu ruhig in Deutschland. Da musste mal wieder was passieren: Man nehme einen Klumpen rechte Hefe und rühre ihn in den politischen Einheitsbrei – und schon werden aber so richtig Blasen geworfen.

In der Christlich Sozialen Union Bayern ist Chef Seehofer unter Druck geraten und warnte schon am Wahlabend Neugierige davor, ihn unter Beschuss zu nehmen. Am Montag zündete er erst mal ne kräftige Nebelbombe und ließ seinen Vorstand darüber abstimmen, ob man weiter mit der CDU zusammen arbeiten wolle. Will man natürlich. Die alten Feinde Seehofgers in der Partei lassen ihm aber trotzdem keine Ruhe. Jetzt will er den rechten Rand mal so richtig besetzen. Wie will er das nur machen?

Von Preussen aus kann man sowieso nur darüber staunen, dass rechts neben der CSU noch Platz war. Mein Tipp: Das C endlich konsequent streichen. Mit christlich hat die Politik der CSU schon lange nichts mehr zu tun. Für richtige Böller sorgte natürlich die AfD. So richtig ohne Schaum abservieren wollten Gauland und Co die Fraktionsvorsitzende Petry. Doch die hatte schon beim Abschied von ihren ersten vier Kindern und ihrem Mann gezeigt, dass sie für einen Politkarriere über Leichen geht. Da kam ihr Politrentner Gauland gerade mal sie richtig in die Quere. Ich habe selten so dämliche Gesicheter gesehen wie die von Gauland, Meuthen und Weidel als Petry auf der Bundespressekonferenz erklärte, mit diesen Chaoten wolle sie nicht zusammen arbeiten.

Sie stehe der Fraktion nicht zur Verfügung und gehe als Einzelkämpferin in den Bundestag. Was für eine Klatsche! Jetzt haben wir den Salat und neben den gewählten Parteien die „Petry-Partei“. Sosind sie wenigstens beschäftigt und die Parteien, die von den restlichen 87 Prozent von uns gewählt worden sind, können sich langsam wieder dem Alltagsgeschäft widmen. Langsam? Ja, langsam, denn für mich steht noch lange nicht fest, dass es unserer Kanzlerin gelingt, wieder eine Koalition zu schmieden.

Zu heftig hatten die Partner in den letzten Jahren an der Seite der Christdemokraten gelitten, denn auch hier wird das christlich eher klein geschrieben. Im Politzirkus gibt’s kein Pardon. Das musste auch die SPD erkennen, die förmlich pulverisiert wurde. Kein Wunder, dass Schulz, vor kurzem noch als Hoffnungsträger umjubelt, am Wahlabend mal so richtig aus der Haut gefahren ist. Mit anderen Worten: Es ist angerichtet. Essen wir es auf!

Mit gewählten Grüßen
Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Wie lange es wohl dauert, bis wir uns nach ein wenig Langeweile in der Bundespolitik so richtig sehnen werden. Endlich haben wir italienische Verhältnisse. Na, dann wählen wir eben alle zwei, drei Jahre. Das bringt die Demokratie aber so was von in Schwung.

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