Briefwechsel: Fußball wird wie Monopoly

Sehr geehrter Max Eberl, Sie sind der Manager von Borussia Mönchengladbach und haben ein aufsehenerregendes Interview gegeben.

In aller Deutlichkeit haben Sie sich mit der allgemeinen Situation im Profifußball und den Auswirkungen auf den Amateurfußball beschäftigt.

Klar, dass gerade die schwindelerregenden Ablösesummen im Mittelpunkt stehen. "Das ist Wahnsinn, wie Monopoly", haben Sie geurteilt „Wir müssen hochsensibel sein und aufpassen. Sonst verliert der Volkssport Fußball seine Basis.“ Sorgen machen Sie sich auch um die Verbindung zum Amateurbereich und zu den Fans.

Es ist erstaunlich, dass sich ausgerechnet ein Manager aus dem Profibereich über die Verbindung zum Amateurbereich Sorgen macht. Da gibt es beim DFB Spitzenmanager, die dafür zuständig sind. Die scheinen da keine Probleme zu sehen. Und wenn sie sie sehen, scheinen sie keine Lösungen zu haben. Dass die Profis keine Rücksicht auf die Amateure nehmen, wurde spätestens klar, als Bundesligaspiele am Sonntagnachmittag übertragen wurden.

Der war lange für die Amateure „heilig“. Das ist schon lange vorbei. Heute müssen sich Kreisligakicker, die jeden einzelnen Euro bitter nötig haben, mit der Bundesligakonkurrenz rumärgern. Egal, ob mögliche Zuschauer direkt in die Stadien fahren oder ob sie daheim vor dem Fernseher liegen – sie fehlen bei den Amateurspielen.

Die Bedeutung der Amateurklubs sinkt ständig. Die Bereitschaft möglicher ehrenamtlicher Mitarbeiter, mitzuhelfen, auch. Am deutlichsten wird die ganze Problematik an der Schnittstelle Regionalliga. Mit Weiden und dem SSV Ulm sind vor Jahren mal gleich zwei Vereine in der Regionalliga Südwest pleite gegangen. Die Folge: Dem KSV Hessen Kassel wurde damals die fast schon sichere Meisterschaft vermiest.

Gelernt hat der DFB aus diesem finanziellen und sportlichen Desastern nichts. Vor kurzem ging eine Frage durch die Medien: Sarkophag mit 43.000 Sitzen? Antwort: Das neue Stadion von Alemannia Aachen. Auch dieser Traditionsklub ist pleite.

Dass der KSV Hessen Kassel bereits zum dritten Mal Insolvenz anmelden musste, dass Kickers Offenbach Insolvenz angemeldet hatte, wollen wir gar nicht erwähnen. Und andere Traditionsvereine stehen kurz davor.

Und die Erbitterung aller Fußballer über die Tatsache, dass ausgerechnet an dieser Schnittstelle der Meister nicht mehr automatisch aufsteigt? Ist den Verantwortlichen egal.

Von allen schlechten Lösungen sei das die Beste, verlautete es aus dem Bayerischen Fußballverband. Der dürfte übrigens das eigentliche Problem sein. Wollte und bekam seine eigene Regionalliga. Eine absolute Frechheit.

Mit sportlichen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Der neue Präsident des Hessischen Fußballverbandes Stefan Reuß hat im EXTRA TIP-Interview erklärt: "Es gehört zum Fußball, dass der Meister aufsteigt." Ich bin gespannt, was er erreichen wird.

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