Briefwechsel: Die größten Kritiker der Elche

Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel diese Woche an Norbert Steiner und Ralf Bethge.

Sehr geehrter Norbert Steiner, sehr geehrter Ralf Bethge,

Sie haben sich einen spannenden Moment ausgesucht, um sich mit 24 Jahren bzw. 27 Jahren an der Spitze von K+S in den Ruhestand zu begeben. Ein Vierteljahrhundert haben Sie die Firmengruppe durch alle Höhen und Tiefen geleitet. Haben aus einer BASF-Filiale ein eigenständiges DAX-Unternehmen gemacht.

Wenn Ihnen jetzt auf den letzten Metern ein Aktionärsvertreter zuruft „Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist. Sie haben ein schlechtes Timing“, wird es Sie beide nur wenig kratzen. Das kurzfristige Denken der Aktionäre darf Ihnen ab sofort egal sein. Ob es das vorher auch war, wollen wir mal dahin gestellt lassen. Für die jüngeren Nordhessen ist es schon fast Geschichte, dass K+S mal ein eher ungeliebter Teil von der BASF war. Ferngesteuert so wie heute noch die Wintershall. Ihnen, Herr Bethge, ist es zu verdanken, dass wir wenigstens eine große Firma mit Ihrer Firmenzentrale in Nordhessen haben, die mal im DAX war und bald auch wieder dort sein wird.

Da müssten nur die Kalipreise ein wenig ansteigen. Aber so ist das nun mal. Da zieht man die Konkurrenz aber mal so richtig an der Hecke lang und schon gehen sich Russen und Chinesen so richtig an die Gurgel und drücken die Preise ins Bodenlose. Ein schöner Moment für die kanadische Konkurrenz, ein Übernahmeangebot zu lancieren. Für andere wäre das reizvoll gewesen. Noch mal kurz vor Toresschluss bei dem Milliardengeschäft eine ordentliche Prämie in mehrfacher Millionenhöhe zu kassieren. Aber für die beiden „Alpha-Tiere“ der deutschen Kaliindustrie kam es überhaupt nicht infrage, „ihr Kind“ zu verkaufen. Unserer Politik, die auch nur noch von Wahlkampf zu Wahlkampf und den dazwischen liegenden Prognosen denkt, wäre es wohl nicht gelungen, ein Herzstück der deutschen Industrie, das letzte Filetstück des Bergbaus zu halten. Das konnten Sie verhindern, aber der nächste Tiefschlag ließ nicht lange auf sich warten.

Ausgerechnet die Thüringer, die unsere Gewässer zu DDR-Zeiten so richtig zugesaut hatten, wollten jetzt zu Saubermänner werden. Wie sagt man doch so schön: „Die größten Kritiker der Elche, waren früher selber welche.“ Mit zweihundert Polizisten machten sich die Staatsanwälte aus Meiningen auf den Weg, kontrollierten die Firma und ihre Privatwohnungen. Die Folge: Das Verfahren wurde eingestellt. Die Meininger Staatsanwälte haben bewiesen, dass sie nicht allzu viel auf der (Salz-)Pfanne haben.

Rainer Hahne
Chefredakteur

P.s. Nur eins hat mich immer bei zwei so engagierten Berghauptmännern gewundert. Ihre Vorliebe zur Kultur passt aber so gar nicht zum Bergbau. Wenn ich so ins Ruhrgebiet schaue, sehe ich die Sportart des Bergmannes. Nordhessen hätte K+S auf dem Trikot des Bundesligisten KSV Hessen Kassel imagemäßig weit nach vorn gebracht.

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