Briefwechsel: Horst Seehofer, der Vater aller Probleme

Schon vor den ersten Ergebnissen war am Wahltag in Hessen klar, wer an der Misere von CDU und SPD schuld ist - Horst Seehofer natürlich.

Guten Tag, Herr Bundesinnenminister Seehofer, wie geht es Ihnen denn so als Sündenbock allererster Güte? Bei der Hessenwahl waren Sie ja unsichtbar überall vertreten. Die Grünen haben wahrscheinlich innerlich Dankesworte an Sie gerichtet. Sie haben der Partei durch Ihr unsägliches Auftreten in Berlin scharenweise CDU- und SPD-Wähler zugetrieben. SPD-Chef Torsten Schäfer-Gümbel hatte sich im Wahlkampf mit deutlichen Worten an Ihre Adresse sehr zurückgehalten. Genutzt hat es der SPD nichts. Sie wurde als Groko-Partner abgestraft. Vergeblich hatte Schäfer-Gümbel darauf hingewiesen, dass der Großteil der Wähler der SPD jede Menge Kompetenz zutraut. Doch dem Wähler war es wichtiger, die große Koalition in Berlin abzustrafen. Irgendwie erinnert mich das an die letzten Jahre von Helmut Kerl als Zisselpräsident. Der hat sich damals immer wieder mit Edgar Donath in aller Öffentlichkeit angelegt. Die Folge: Beim sogenannten Empfang des Ministerpräsidenten war sein Schiff gerade mal zur Hälfte gefüllt. Den Leuten hing die Streiterei meterlang aus dem Hals raus. Erst als Hansi Meister wieder Ruhe in den Zissel brachte, wurden sogar zwei Schiffe gebraucht. Darauf kann die Groko noch lange warten, obwohl selbst Hessens geduldiger Ministerpräsident Volker Bouffier jetzt bei der Kanzlerin, die er immer unterstützt hat, Klartext gesprochen hat. Zu tief steckte noch der Schock des Wahlabends, als Schwarz-Grün nur um Haaresbreite am Machtverlust vorbei geschlittert ist.

CDU und SPD wollen in Nordhessen genau hinschauen, wie es zu den zweistelligen Verlusten kommen konnte. Natürlich ist es einfach, alles dem Rindviech aus Bayern in die Schuhe zu schieben. Aber ist es damit wirklich getan? Gibt es nicht auch vor der eigenen Haustür genug zu kehren? Wo ist in den Parteien der Nachwuchs? Wo wachsen mögliche Führungskräfte heran? Werden sie gefördert oder ausgebremst? Wo ist eine saubere inhaltliche Linie zu sehen? Wenn die CDU den Obelisken mit der zentralen Botschaft des christlichen Glaubens wegreißen lässt, stimmt etwas nicht.

Hat mich die Wahl von Vanessa Gronemann (Grüne) wirklich überrascht? Nein. Sie hat in puncto Obelisk eine klare Linie gefahren. Und das war gut so. Mit politischen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Eigentlich hatte ich erwartet, dass unsere Bundeskanzlerin Sie schon kurz nach der Wahl mit netten, aber bestimmten Worten in den endgültige Ruhestand schickt. Sie haben Deutschland, Sie haben der Regierung wahrlich genug Schaden zugefügt. Ab nach Bayern!

P.P.s. Dass Angela Merkel entschieden hat, nicht mehr als Parteivorsitzende anzutreten, sollten Sie sich als „Vater aller Probleme“ hinter die Ohren schreiben.

P.P.P.s Das einzig erfreuliche an dem ganzen Chaos, Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke bleibt uns wohl erhalten – als Stabilitätsfaktor einer wankenden CDU.

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