Briefwechsel: Kampf ums Überleben

Sehr geehrter Tobias Cramer, Samstag werden Sie mit dem KSV Hessen Kassel in die Regionalligasaison 2017/18 starten.

Es dürfte leicht untertrieben sein zu sagen, dass es keine einfache Saison werden wird. Die finanziellen Probleme des Vereins haben ihrer Mannschaft einen Start mit neun Minuspunkten beschert. Der Auftakt mit Gegnern wie Waldhof Mannheim und dem 1. FC Saarbrücken ist hammerhart. Aber da kommt mal wieder ein typischer Tobi Cramer rüber: "So haben wir uns das gewünscht. Die unterschätzt wenigstens keiner."

Jammern kommt für Sie – als echter Westfale – eben überhaupt nicht infrage. Sie haben schon in der letzten Saison gewusst, dass Ihr Team nur bestehen kann, wenn elf "Mentalitätsmonster" auf dem Platz stehen. Spielerisch allein können die Jungs in dieser Liga nicht bestehen. Mit den Drittligaabsteigern Mainz 05 und FSV Frankfurt, mit dem VFB Stuttgart, Hoffenheim, TuS Koblenz, SSV Ulm, Stuttgarter Kickers, 1. FC Saarbrücken, Kickers Offenbach, Wormatia Worms, SV Waldhof Mannheim, dem SC Freiburg, Aufsteiger Röchling Völklingen, dem SV Elversberg und natürlich dem KSV Hessen Kassel stehen fast nur noch Vereine in der Regionalliga Südwest, die Bundesligaluft geschnuppert haben. Ergänzt wird das Teilnehmerfeld durch den FCA Walldorf, Steinbach, Schott Mainz und Stadtallendorf – auch keine Laufkundschaft.

Schon in der letzten Saison hatten viele Fans Sorge, dass Ihre runderneuerte junge Elf in den Abstiegsstrudel geraten könnte. Doch es kam anders. Gerade gegen Spitzenteams hat sich die Cramer-Elf immer hervorragend geschlagen. Erst zum Schluss wurde es noch einmal eng, als klar wurde, dass gleich sechs Vereine den bitteren Weg in die Oberliga antreten mussten. Jetzt hat Ihre Mannschaft noch einmal mit Hendrick Giese und Tobias Damm zwei Korsettstangen verloren. Verstärkung kam in erster Linie aus dem eigenen Nachwuchs. Genau der zuletzt eingeschlagene Weg wird also konsequent beibehalten.

Einzige Ausnahmen – Sebastian Szimayer, der zuletzt bei Eintracht Trier gespielt hat und Admir Saric vom SC Paderborn. Es dürfte also gezittert werden. In jedem Spiel wird es ums Überleben gehen. Ihre Jungs werden – wie in der letzten Saison – um jeden Zentimeter Rasen kämpfen. Wir können uns auf spannenden, harten, körperbetonten Cramer-Fußball freuen. Und vorne helfen Gott und Schmeer. Und die Jungs? "Die können alle kicken", haben Sie nach dem Trainingslager an der Schanze in Willingen gesagt. Und sie haben schnell gemerkt, wie hart das Brot in der Regionalliga sein kann. Aber dafür schmeckt es dann um so besser...

Mit kämpferischen Grüßen
Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Ach ja richtig, die Chinesen habe ich ganz vergessen. Freuen wir uns also auf ein schönes Spiel gegen die chinesische Olympiaauswahl. Ich frage mich manchmal, ob die DFB-Oberen eigentlich auch Brot zu sich nehmen...

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