Briefwechsel: Kassel als kulturelles Zentrum

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Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel diese Woche an Dr. Bernd Küster, Chef der Museumslandschaft Hessen Kassel.

Sehr geehrter Professor Dr. Bernd Küster,

Sie sind der Chef der Museumslandschaft Hessen Kassel und konnten sich am Wochenende über eine glanzvolle Eröffnung des Landesmuseums in Kassel freuen.Viel zu lange stand das markante Gebäude am Anfang der Wilhelmshöher Allee leer. Aber es war einfach dringend erforderlich, nach hundert Jahren grundlegend zu sanieren und vor allem die Räumlichkeiten den Erfordernissen eines modernen Museums anzupassen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Reaktionen im benachbarten Hannover waren, als bekannt wurde, dass in Kassel 200 Millionen Euro in die Modernisierung und Sanierung der Museumslandschaft gesteckt werden sollten. "Die wollen uns den Rang ablaufen", hieß es am ersten Tag alarmiert im Landtag. "Die sanieren nur Fenster und Dachrinnen", wurde am nächsten Tag entwarnt. Ein wenig höhnisch und überhaupt nicht angebracht, wie sich jetzt allmählich zeigt.

"Kassel ist jetzt ein echtes kulturelles Zentrum in Europa", hat Minister Boris Rhein mit viel Stolz und völlig zurecht in seiner Begrüßung gesagt. Und Rhein meinte damit nicht nur die Eröffnung des Landesmuseums. Er hatte auch das Ottoneum im Auge, das gerade erst die Ausstellung "Eiszeit" eröffnet hat. In der GrimmWelt wartet "Der achte Zwerg" auf seine kindlichen Bewunderer. Und im Stadtmuseum dauert es nur noch zwei Wochen bis die Freunde dieses Museums sehen können, was für Objekte viele Kasseler aus der Geschichte ihrer Stadt leihweise zur Verfügung gestellt haben.

Es ist schon der absolute Hammer, was an Kunst und Kultur in Kassel geboten wird. Und manchmal frage ich mich, ob alles irgendwie aufeinander abgestimmt gezeigt wird oder ob es gewollt ist, dass jetzt ein Höhepunkt den anderen jagt.

Und es ist nicht abzusehen, dass es ruhiger wird. Schließlich steht Kassel 2017 total im Zeichen der documenta 14, die auch in der GrimmWelt zu sehen sein wird.Ob auch das Landesmuseum mit seinen zum Teil faszinierenden Räumlichkeiten Schauplatz der documenta wird, ist nicht abzusehen. Aber etwas anderes wird sich ganz in der Nähe tun wie Minister Boris Rhein angekündigt hat.

Das Tapetenmuseum haben einige von uns schon ganz vergessen, aber die fürstlichen Wandverzierungen sollen wieder ans Tageslicht kommen. Gebaut werden wird dafür auf dem Brüder- Grimm-Platz genau gegenüber des Landesmuseums. Im Torhaus, das aktuell zum Oberverwaltungsgericht gehört, haben bekanntlich die Brüder Grimm gewohnt. Auch das wird saniert und ein Sahnestück. Weiter so!Mit kulturellen Grüßen

Rainer HahneChefredakteur

P.s. Der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 können wir selbstbewusst und mit Gelassenheit entgegensehen. Soviel hat kaum eine andere Stadt in Europa zu bieten. Die Aktivitäten in Pilsen wirkten dagegen schon etwas provinziell!!!

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