Briefwechsel: Kirsche – die Frucht des Himmels

Sehr geehrte Japaner, ja, wo seid Ihr denn? Für Euch gibt es doch bekanntlich kein größeres Fest als die Kirschblüte.

Dann darf in keinem japanischen Haushahlt angeblich ein abgeschnittener Kirschzweig fehlen. Im März beginnt bei Euch die Kirschblüte, wandert von Kyushu Richtung Nordosten und wird sogar im Rahmen der Wettervorhersage als „Kirschblütenfront“ angekündigt.

Im Werra-Meißner-Kreis hat die Kirschblüte am Wochenende begonnen und wurde nicht im Fernsehen angesagt. Da können wir noch eine Menge von Euch lernen. Denn – unter uns gesagt – es ist schon ein traumhafter Anblick, den man so schnell nicht vergisst. Wenn man so eine Wiese in Weiss sieht, weiss man auch, warum einige Leute der Ansicht sind, dass Frau Holle mit ihren Betten keinen Schnee ausgeschüttelt hat, sondern dass sie die Kirschblüte gestartet hat. In der Tat – die Kirschblüte ist es wert, in einem Märchen verarbeitet zu werden.

Bei Euch in Japan ist die Kirschblüte kein Märchen, sondern einer der Höhepunkte im Jahresreigen. Sie steht für Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit. Ihr feiert die Frucht in mehr als hundert Liedern, die von Eltern und Kindern gesungen werden. Zur Kirschblüte sind Japan und der Werra-Meißner-Kreis in ein rosa-weisses Meer getaucht. Überall wird gefeiert und Bier oder Sake getrunken. Bier wurde auch in Witzenhausen beim Kirschblütenfest getrunken. Und zwar ein ganz besonderes. In Deutschland ist es zwar verboten, es Kirschbier zu nennen, weil der Zusatz von Kirschsaft eigentlich durch das Reinheitsgebot verboten ist. Aber „Witzenhäuser Kesper“ als Brauspezialität wird mit Sicherheit seine Freunde finden. Brauer Florian Rehbock, der vor vielen Jahren so gerne die Martini-Brauerei gekauft hätte, hat nach vielen Versuchen „in der Küche“ eine Bierspezialität hinbekommen, die auf der Zunge zergeht.

Im Gegensatz zu einigen anderen Gemischen, hat er den Kirschsaft in die Maische gerührt und mit gären lassen. Die Folge: Der „Kesper“ hat eine angenehm rote Farbe, ist nicht unangenehm süss, sondern schmeckt leicht fruchtig. Das gilt sogar für den Schaum. Ein äußerst angenehmes Sommergetränk.

Jetzt müssen nur noch die Kirschbauern aufpassen, dass ihnen die Essigfliege keinen Strich durch die Rechnung macht. Die stellt nämlich keinen Asylantrag, sondern kommt einfach so, setzt sich auf die Kirsche, legt etliche Eier und Stunden später ist es vorbei mit der fruchtigen Herrlichkeit. Also, aufpassen Männer!

Mit fruchtigen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. 2019 muss unbedingt Euer Botschafter zur Kirschblüte eingeladen werden. Ich bin mir ganz sicher, dass er Euch voller Freude von dem herrlichen Landstrich in Hessen mit seinen zahllosen Kirschbäumen erzählen wird. Für uns Nordhessen ist die Kirsche ein wichtiges regionales Produkt – und bezahlbar!!!

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Unklare Rauchentwicklung in Rothenditmold: Feuerwehr findet Ursache nicht

Nachdem Anwohner eines Mehrfamilienhauses in der Maybachstraße am frühen Mittwochabend eine Rauchentwicklung im Kellerbereich wahrnahmen, alarmierten sie umgehend die …
Unklare Rauchentwicklung in Rothenditmold: Feuerwehr findet Ursache nicht

Über 8.000 Euro Schaden nach mutmaßlichem Ausweichmanöver wegen abbremsendem Auto

Für über 8.000 Euro Schaden sorgte der Unfall nach einem mutmaßlichen Ausweichmanöver.
Über 8.000 Euro Schaden nach mutmaßlichem Ausweichmanöver wegen abbremsendem Auto

Gaststättenkontrollen in Nordstadt und Wesertor: Drei Anzeigen gegen Gäste

Beamte führten in der Nacht zum Mittwoch in der Kasseler Nordstadt und im Stadtteil Wesertor Gaststättenkontrollen durch.
Gaststättenkontrollen in Nordstadt und Wesertor: Drei Anzeigen gegen Gäste

Kassel: Fußgänger entdeckt von Unbekanntem über Gehweg gespanntes Drahtseil noch rechtzeitig

Für Fahrradfahrer wäre das in Höhe von einem halben Meter über den gemeinsamen Fuß- und Radweg gespannte Drahtseil kaum zu erkennen gewesen.
Kassel: Fußgänger entdeckt von Unbekanntem über Gehweg gespanntes Drahtseil noch rechtzeitig

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.