Briefwechsel: Kriege entstehen im Herzen

Sehr geehrter Bischof Heinz-Josef Algermissen, Sie haben bei einer Ihrer letzten Äußerungen in Ihrer Funktion als Bischof in Fulda klare Worte nicht gescheut.

Und sie wissen, dass es Ärger gibt, wenn Sie darauf hinweisen, dass die Türkei deutsche Kampfpanzer des Typs Leopard II einsetzt, um kleine kurdische Dörfer zu zerstören.

Der Ärger kommt natürlich aus Kassel, denn hier sind mehrere Rüstungshersteller, die in solchen Momenten gern darauf hinweisen, dass sie Arbeitsplätze schaffen. Sie, Bischof Algermissen, lässt das kalt. Hat das damit zu tun, dass Sie aus dem Amt ausscheiden? Oder liegt es daran, dass Sie davon ausgehen, dass solche Arbeitsplätze für die Besitzer keine Rolle mehr spielen, wenn sie im Ausland billiger produzieren können?

Eins ist auf jeden Fall sicher. Ich habe noch nie gehört, dass diejenigen, die von der Waffenherstellung profitieren, sich großzügig hinstellen und sagen: „Natürlich werden wir denen gern helfen, die unter der Wirkung unserer Waffen unschuldig gelitten haben. Die Folgen werden wir auf keinen Fall dem Steuerzahler aufbürden.“ Sie, Herr Bischof, beschäftigen sich auch mit dem immer rauher werdenden Gesprächsklima in Deutschland, aufgeheizt gerade in Medien, die sich zu allem Überfluss auch noch sozial nennen. „Der Respekt vor dem anderen Menschen wird in unerträglicher Weise von Angriffslust und besonders von verbaler Aufrüstung verdrängt. Das muss uns unruhig machen.“ Sie weisen mahnend darauf hin, dass Kriege nicht vom Himmel fallen, sondern im Herzen der Menschen entstehen, bevor sie ausbrechen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich als 14jähriger heimlich Herrmann Stegemanns Geschichte des Ersten Weltkrieges gelesen habe. Ich wollte es damals einfach nicht glauben, dass ein halbwegs normaler Mensch diese Greueltaten glauben kann, die sich die Kriegsparteien vor dem ersten Schuss unterstellt haben. Heute muss ich mit Blick in facebook und Co feststellen, dass unfassbar viele Menschen bereit sich, auch den größten Blödsinn und die größte Hetze zu glauben. Sicher haben Sie, Herr Bischof, auch die Hasstiraden des AfD-Chefs von Sachsen gehört. Haben Sie daran gedacht, als sie geschrieben haben, dass wachsende Aggressivität unter uns der Nährboden für noch Schlimmeres ist? Dieser Mann hat in einer öffentlichen Veranstaltung vor 700 Besuchern gegen unsere türkischstämmigen Mitbürger als „Kümmeltürken und Kameltreiber“ gehetzt. Da fehlen mir die Worte.

Mit bedauernden Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Und in so einer Zeit stellen Sie zu Recht fest, dass sich die Menschen von der Kirche abwenden, dass die Zeit der Volkskirchen vorbei ist. Der Volksparteien übrigens auch. Da frage ich mich, wer denn überhaupt noch für so etwas wie Sitte und Moral in unserem Lande steht? Wie steht es denn um unsere christlichen Werte, auf die wir so stolz sind?

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