Briefwechsel: Kriminelle werden abgeschoben

Guten Tag, Herr Haikel S. Sie sind gerade erst nach Tunesien abgeschoben worden. Und? Wie gefällt es Ihnen dort?

Auch dort hatten Sie sich schon einen Namen als Terrorist gemacht. Und dann sind Sie ausgerechnet nach Deutschland gekommen. Um einen Terroranschlag vorzubereiten? Davon sind auf jeden Fall unsere Sicherheitsbehörden überzeugt. Und nach unendlich langem juristischen Tauziehen sind Sie jetzt endlich in ihrer Heimat den Behörden übergeben worden. Endlich!!

Und das ist gut so, denn in Deutschland haben wir schon einmal viel zu lange damit gewartet, einen schweren Fall abzuschieben. Vor vielen Jahren hätten wir die Chance gehabt, Adolf Hitler in seine Heimat Österreich abzuschieben. Was wäre uns erspart geblieben. Leider haben wir damals zu lange gezögert.

Auch jetzt ist unsere Vorgehensweise im Bereich Asylbewerber mitunter sehr merkwürdig. Wir tuen uns extrem schwer damit, kriminell gewordene Menschen wie Sie, die zu uns gekommen sind, wieder abzuschieben.

Einfacher geht es hingegen mit Familien, die sich mit ihren Kindern schon gut bei uns eingelebt haben. Da kommt morgens die Polizei in die Schule, holt die Kinder ab und dann geht es mit den Eltern zurück in die jeweiligen Heimatländer.

Warum kriegen wir es eigentlich nicht hin, aus Deutschland ein vernünftig organisiertes Einwanderungsland zu machen? Immer wieder kommen Menschen zu uns, die wir in Deutschland gut gebrauchen können. Zur Zeit haben wir größte Probleme, Menschen zu finden, die im Bereich Altenpflege arbeiten möchten. Viele Menschen, die aus dem Ausland zu uns gekommen sind, würden zu gern in diesem Bereich arbeiten. Bei ihnen ist es noch völlig normal, dass die Großeltern mit in den Familien leben. Arbeit mit älteren Menschen macht ihnen Spaß. Und genügend Beispiele zeigen, dass sie auch bei den Bewohnern der Seniorenheime gut ankommen. Aber was machen wir? Wir bilden sie ja nicht zu lange aus, damit wir sie ja wieder abschieben kann.

In Baden-Württemberg geht die Industrie allmählich auf die Barrikaden. Sie hat tausende Asylbewerber ausgebildet und muss jetzt mit ansehen wie sie wieder abgeschoben werden. Diesen Frust müssen auch viele Ehrenamtliche erleiden, die den Flüchtlingen geholfen haben. Mit dümmlich, dumpfer Fremdenfeindlichkeit und bürokratischer Abschiebung kommen wir auf Dauer nicht weiter. Bis 2030 gehen dreißig Prozent der Deutschen, die heute noch arbeiten, in Rente. Und dann? Diese Frage haben wir immer noch nicht vernünftig beantwortet.

Mit nachdenklichen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Immer wieder höre ich, dass deutsche Firmen in Afrika nicht genug gut ausgebildete Arbeitskräfte finden. Warum bilden wie die nicht aus, die zu uns gekommen sind und helfen ihnen, in ihrer Heimat eine Arbeit zu finden. Das hilft allen!

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