Briefwechsel: Mutter in Auschwitz ermordet

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Das ehemalige Kloster Breitenau in Guxhagen diente als Arbeitserziehungslager der Kasseler Geheimen Staatspolizei (Gestapo).

Lilli Jahn kam am 17. oder 19. Juni 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ums Leben.

Sehr geehrte Lilli Jahn, Sie sind am 17. oder 19. Juni 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ums Leben gekommen. Am 17. März wurden Sie aus dem SS KZ Breitenau in Guxhagen deportiert. Sie haben also noch einige Zeit gelebt in dem schrecklichsten Lager der Nazis, in dem rund eine Million Juden umgebracht worden sind. Doch leben dürfte der falsche Ausdruck dafür sein. Sie, eine fünffache Mutter, hatten schon in der Breitenau erlebt, was es heißt in die Hände von entmenschten Faschisten zu gelangen.

Dorthin wurden Sie gebracht, weil Ihr arischer Ehemann fremdgegangen ist und Sie und Ihre Kinder auf erbärmlichste Art und Weise im Stich gelassen hat. Bei allen Beteuerungen, die Nazis hätten ihm versprochen, dass Sie nicht in Gefahr sind, muss klar und deutlich gesagt werden: "Ihr Mann hat Sie aller Wahrscheinlichkeit nach ins Gas, in den Tod geschickt."

Sie haben gefleht, dass er sich doch bitte darum kümmern möge, dass Sie wieder aus Breitenau entlassen werden. Sie wussten schließlich, dass Ihre Kinder allein in Kassel waren. Verwandte kümmerten sich gelegentlich. Aber sie konnten Sie als Mutter natürlich nicht ersetzen.

Der Bürgermeister aus Immenhausen hatte Sie damals denunziert und seinen erbärmlichen Nazi-Kreisleiter darauf hingewiesen, dass man Sie deportieren könne, da Ihr ach so sehr geliebter Mann fremd gehe. Kaum in Kassel werden Sie schon von einem Nachbarn angeschwärzt und kommen ins KZ in Breitenau. Während Sie in der einen Hälfte der Kirche hungern und frieren, während Sie die Sorge um Ihre Kinder halb wahnsinnig macht, wird in der anderen Hälfte die Messe gefeiert. Eine abartige, eine perverse Vorstellung.

Und dann kamen Sie nach Auschwitz-Birkenau. Während Ihre Kinder immer noch hoffen, dass Sie zurück kommen, gehen Sie in den Tod. Doch Sie gehen nicht umsonst.

Mit seinem Buch "Mein verwundetes Herz" hat Ihr Enkel Ihnen ein Denkmal gesetzt und uns die Möglichkeit geschaffen, durch Ihre Briefe tief in die Gefühlswelt der damaligen Zeit und Ihrer abartigen Führung zu schauen.

Aus aktuellem Anlass wurde aus Ihren Briefen erneut vorgelesen. Was ist passiert? Erneut wollen Rechtsradikale in unserem Land an die Macht. Im Saarland ist ein Hakenkreuzhändler für die AfD in den Landtag eingezogen. Ein Mann, der Ihren Tod in Birkenau als Mythos bezeichnet hat. Ein Holocaustleugner. Es ist unfassbar.

Mit traurigen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Und in Kassel schreibt der stellvertretende Vorsitzende Sven R. Dreyer: „Die rechnerische Möglichkeit einer CDU-AfD-Koalition in der Berichterstattung auszulassen bestätigen die Mängel der Systemmedien.

P.P.s. Es gehört nicht zu den Aufgaben der Medien, Blödsinn zu verbreiten. Es wurde genug darüber berichtet , dass niemand mit der AfD zu tun haben möchte.

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