Briefwechsel: Im Osten nichts Neues

Sehr geehrte Eva Kühne-Hörmann, Sie sind seit ungezählten Jahren Chefin der CDU in Kassel. Mit Ruhm bekleckert hat sich die Partei seitdem nur selten.

Eigentlich sind nur Sie es, die von der aktuellen Lage profitiert. Sie werden verlässlich in Wiesbaden ins Ministeramt gehoben – egal, ob Sie sich um Kunst und Wissenschaft oder um den Justizbereich kümmern müssen. Ministerpräsident Volker Bouffier vertraut Ihnen und wird Ihnen wohl auch nach der Wahl im Herbst ein Ministeramt anvertrauen.

Doch was ist mit dem Rest der Truppe? Während Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin die Karte Jugend zieht und versucht, die CDU zukunftsfähig zu machen, wird in Kassel gemauert. Die Junge Union bekommt seit Ihrem Amtsantritt in Kassel keinen Fuß mehr auf den Boden. Dabei interessiert es außerhalb der CDU keinen toten Gasmann mehr, was sich damals eigentlich abgespielt hat. Doch in Ihren Reihen scheint das immer noch beherrschendes Thema zu sein.

Mit Christian Rösch hat es jetzt tatsächlich jemand aus der Jungen Union gewagt, sich um die Landtagskandidatur in Kassels Osten zu bewerben. Aufgestellt hat Ihr Vorstand natürlich wieder Jörg Hildebrandt, der schon einige Male gegen den „Platzhirsch“ Wolfgang Decker den Kürzeren gezogen hat.

Rösch hatte in seiner Rede damit geworben, er wolle Optionen zur Veränderung aufzeigen. Veränderungen? Damit ist er in Ihrer Truppe natürlich nicht weit gekommen, Frau Kühne-Hörmann. Die Möglichkeit, einen Vertreter der Wirtschaft mal in den Wahlkampf zu schicken, scheint auch niemand zu reizen.

Ja, auch Dominik Kalb hätte zur Verfügung gestanden. Der Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Rathaus hatte sich gerade erst ein wenig Bekanntheit im OB-Wahlkampf erarbeitet. Jetzt hätte er erneut daran arbeiten können, Sie, liebe Frau Kühne-Hörmann, irgendwann mal abzulösen. Aber nein, der Mann wurde wieder ins zweite Glied zurückgeschoben und darf als Ersatzkandidat mit Ihnen im Westen antreten. Damit dürfte seine Karriere in der CDU Kassel ein kurzes schnelles Ende gefunden haben.

Und im Osten? Dort trifft Hildebrandt mal wieder auf den wohl fleißigsten und engagiertesten Landtagsabgeordneten Hessens. In diesem Wahlbezirk kann sich jeder Verein darauf verlassen, dass er seinen Landtagtskandidaten nicht umsonst zu einer Veranstaltung einlädt. CDU-Ersatzkandidat Stefan Kortmann wird auch nicht dafür sorgen, dass Deckers Knie zittern. Bleibt also nur die Frage, ob Sie, liebe Frau Kühne-Hörmann, den SPD-Kandidaten Patrick Hartmann auf Abstand halten können. Ich bin gespannt.

Mit wählerischen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Da die CDU offensichtlich keinerlei Interesse am eigenen Nachwuchs hat, werden Sie, Frau Kühne-Hörmann, wohl bis zum St. Nimmerleinstag den Weg nach Wiesbaden unter die Reifen nehmen müssen.

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