Briefwechsel: Politische Zwangsjacke lockern

Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel diesmal an Kassel Airport-Geschäftsführer Lars Ernst.

Sehr geehrter Lars Ernst, Sie sind seit Anfang April als Geschäftsführer für den Kassel Airport verantwortlich. Das ist eine Aufgabe, die – vorsichtig ausgedrückt – Ihre Vorgänger nicht gerade glücklich gemacht hat. Es ist nämlich eine Position, die ständig von Politikern überprüft wird. Hier fließen Steuergelder, und deshalb mischen sich auch Leute ein, die von Ihrem Job nicht die Spur von Ahnung haben.

Politiker, die Betriebswirtschaft nicht von Volkswirtschaft unterschieden können, stecken ihre Nase in jeden Winkel und geben Aussagen von sich, die dem Flughafen immer wieder schwer geschadet haben. Das Idiotischste von allen war die Koalitionsvereinbarung, dass man den Flughafen 2017 genau unter die Lupe nehmen und ihn im Zweifel zurückstufen werde. Dass es Ihrem Vorgänger Ralf Schustereder unter diesem Vorzeichen gelungen ist, mit Schauinsland einen namhaften Reiseunternehmer nach Calden zu locken, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.

Schließlich mussten die Verantwortlichen damit rechnen, dass die Einstiegsinvestition im Falle einer Rückstufung verloren sein könnte. Doch sie haben Schustereder vertraut. Und das zurecht. Der Dank für Schustereder? In der Öffentlichkeit wurde verbreitet, er habe mit dem Geschäft nichts zu tun gehabt. Und einige besonders Naive haben diesen Blödsinn auch noch geglaubt.

Jetzt stehen unsere Politiker – insbesondere die Grünen – da und gucken dumm. Da hatten sie geglaubt, mit Ihren eigentlich nicht machbaren Sparvorgaben dem Flughafen die Luft zum Atmen zu nehmen und Schustereder und auch Sie haben es geschafft, nicht nur die Vorgaben einzuhalten, das Minus um zwei Millionen jährlich zu senken, sondern auch noch neues Geschäft einzuwerben. In der gleichen Zeit hat sich das Minus des Flughafens Münster fast verdoppelt. Frachtverkehr war immer ein Bereich, der Schustereder besonders am Herzen lag. Jetzt war zu vernehmen, der Flughafen habe Glück gehabt, das sich zufälligerweise der Frachtverkehr erhöht habe, als die Passagierzahlen schrumpften.

Was für ein Unfug! Sie, Herr Ernst, haben keine leichte Aufgabe vor sich. Sie müssen weiter sparen, obwohl der Flughafen immer noch am Markt gefestigt werden muss. Das erfordert eigentlich Investitionen. Doch Geld dafür gibt es nicht. Ihre Mitarbeiter werden vergeblich darauf warten, dass weniger gespart wird. Das Gegenteil ist der Fall.

Wenn Sie es wirklich schaffen sollten, dass Minus auf Null zurück zu fahren, werden Sie über kurz oder lang als Wunderheiler in die Geschichte Hessens eingehen und auch das Land entschulden.

Mit zauberischen Grüßen

Rainer Hahne
Chefredakteur

P.s. Ihre Mitarbeiter haben sich bitter beschwert, dass der grüne Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir noch nicht ein einziges Mal Ihren Flughafen besucht hat, um sich selbst ein Bild zu machen. Aber das ist wohl auch besser so!

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