Briefwechsel: Von Präsidentenwahl bis AfD-Boykott

Chefredakteur Rainer Hahne schreibt über ein Wochenende, an dem politisch viel passiert ist.

Sehr geehrte Politikfreundinnen und Politikfreunde,

na, war das nicht mal wieder ein schönes Wochenende. Und für jeden war was dabei. In Kassel starteten am Freitag zwei Mitglieder der FDP-Fraktion im Rathaus mit einem Aufstand. Sie hatten die Nase voll von einer Partei, die in Kassel nicht mehr regierungsfähig ist. Sie waren nicht die Ersten, die der Fraktion um Herrn Nölke den Rücken zugedreht haben. Nölke hat es wahrscheinlich erst spät gemerkt, schließlich hat er nur noch eins im Kopf – Bundestag.

Bei der Kasseler CDU wird man sich in der Zwischenzeit wohl nur noch vor den Kopf fassen. Hatte man doch die jetzt abtrünnigen FDPler Dr. Cornalia Janusch und Andreas Ernst vor Wochen massiv und unfair angegriffen und sich jetzt selbst damit ins Knie geschossen. Die CDU wird als Mehrheitsbeschaffer nicht mehr gebraucht. Jetzt sorgt die neue Liberale Liste für Mehrheiten. Unbeschwert von solchen lokalen Späßchen feierte man Samstag in Berlin die schnelle Wahl des neuen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Der Genosse war für alles mögliche gehandelt worden – auch als Bundeskanzlerkandidat. Als Bundespräsident wird er unser Land im Ausland würdig vertreten. Bekannt genug ist er da ja schon. Als Außenminister musste er sich bekanntlich schon mit Leuten unterhalten, denen wir Wähler wohl noch nicht einmal den Rücken zugedreht hätten.

Natürlich durfte auch diese Wahl nicht ohne Wahlmüdigkeitsdiskussion ablaufen. Diesmal wurde gefordert, der Präsident müsse das nächste Mal direkt von Volk gewählt werden. Ob der Wähler dann auch zur Wahl gehen würde, wurde nicht geklärt. Auch nicht die Frage wie denn um alles in der Welt die Kandidaten für dieses Amt Wahlkampf machen sollen.

Deutschland ist schon ganz schön groß. Und damit es nicht langweilig wird, nahm sich in Kassel der scheidende Oberbürgermeister Bertram Hilgen noch einmal die AfD zur Brust. Die hat einen Stand auf der Frühjahrsausstellung gebucht. Hilgen reagierte prompt und empfahl allen städtischen Firmen, der Veranstaltung fern zu bleiben. Zu oft hatte er sich über diesen „Zugewinn“ für die Stadtverordnetenversammlung geärgert.

Für Ralf Umbach, den Chef der Messe, war das natürlich ein Schlag in den Nacken. Hat weder imagemäßig, noch wirtschaftlich reine Freude gemacht. Ja, AfD macht wenig Freude, das musste auch ein Maritim-Hotel erkennen. Dort hatten die Rechtsaußen eine Veranstaltung gebucht. Den Raum kriegen sie. Nur AfD-Ganzweitrechtsaußen Höcke hat Hausverbot. Wäre doch auch eine Lösung für die Messe in Kassel. Der Ortsverein darf rein. Gauland, Höcke, Petry, von Storch und Pretzel haben Hausverbot. Comedy pur. Oder?

Mit satirischen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Fehlte eigentlich nur noch ein Klopper von Trump. Grundsteinlegung für die Mauer an der mexikanischen Grenze wäre was gewesen.

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