Briefwechsel: Rechtsextremistische Terrortat?

Sehr geehrte Sabine Thurau,

Sie sind die Chefin des Landeskriminalamtes (LKA). Bei der nichtssagendsten Pressekonferenz, die ich in meinen 45 Jahren als Journalist besucht habe, habe ich Ihnen eine Frage gestellt: „Ist es denkbar, dass diese Mordtat etwas mit den Morddrohungen zu tun hat, die 2015 nach einer Veranstaltung in Lohfelden auf Lübckes Handy gelandet sind?“ Diese Vermutung haben sie sehr energisch abgelehnt.

Ich fand das damals schon sehr merkwürdig, denn vorher hatten Sie noch erwähnt, dass Sie in alle Richtungen ermitteln. Für mich war es jedenfalls keine Überraschung, dass jetzt doch jemand aus dem rechtsradikalen Umfeld verhaftet worden ist. Genauso wenig würde es mich verwundern, wenn dahinter noch ein größeres Netzwerk stecken würde. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass Dr. Walter Lübcke in eine Falle gelockt worden war. Viel zu schnell nach der Veranstaltung waren die Morddrohungen bei ihm aufgelaufen. Dass die Polizei bei rund 400 Emails nichts ermitteln konnte, ist mir bis heute ein Rätsel.

Rätselhaft ist mir auch die Öffentlichkeitsarbeit Ihrer Behörde, Frau Thurau. Erst wurde für Montag eine Pressekonferenz angekündigt. dann teilte die Staatsanwaltschaft mit, es werde nur eine kurze Videosequenz geben. Nachfragen unmöglich. Und schließlich übernahm der Generalbundesanwalt. Wir könnten jetzt mutmaßen, warum das so passiert ist. Ob es etwas mit Ihnen zu tun hat, liebe Frau Thurau? Schließlich hat die Tatsache, dass immer wieder Internas aus Ihrem LKA gesickert und von den Zeitungen rund um Frankfurt verbreitet worden sind, für viel Unruhe und für übelste Gerüchte gesorgt. Ich möchte darauf gar nicht eingehen. Ich bin jetzt erst einmal froh, dass es so aussieht, als ob Sie diesmal den Richtigen erwischt haben. Darauf deutet jedenfalls die Übernahme des Falls durch den Generalbundesanwalt hin.

Auf dem Hessentag sorgte die Verhaftung für grenzenlose Erleichterung. Das gilt auch für die Familie Lübcke. Ich kann nur hoffen, dass diese Verhaftung auch die Situation der Mitarbeiter erleichtert. Die Lage dort sei gespenstisch, war zu hören. Verschärft noch durch die Erkenntnis, dass einige Rechtsradikale den Weg ins Regierungspräsidium gefunden haben, um dort ihre üblen Schmierereien und Beleidigungen im Kondolenzbuch einzutragen. Was geht in solchen Menschen vor, kann ich mich nur fragen. Verstehen kann ich das nicht. Ganz im Gegenteil – es ekelt mich an. Ich hoffe, dass jetzt mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen solche Leute vorgegangen wird. Mit zornigen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Auf der Tribüne des Hessentags war Walter Lübcke vertreten – ein Foto und Blumenschmuck standen auf dem Platz, der für ihn reserviert worden war. Auch auf dem Stand des Regierungspräsidiums war er – ein Foto mit Trauerflor. Gut so!!!

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