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Briefwechsel:  Rekordhohe Aufklärungsquote der Polizei und der Bratwurstkrieg von Wolfsanger

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Von: Rainer Hahne

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Der Briefwechsel richtet sich dieses Mal an den Polizeipräsidenten Konrad Stelzenbach.

Sehr geehrter Polizeipräsident Konrad Stelzenbach,

herzlichen Glückwunsch. So gute Zahlen konnten Sie noch nie am Ende eines Polizeijahres präsentieren. In zehn Jahren ist die Anzahl der Delikte in Nordhessen um 10.000 gefallen. Und erstmals ist es gelungen, mehr als 60 Prozent der Fälle aufzuklären.

Noch besser wären Ihre Zahlen geworden, wenn die neuen Zuwanderer sich in ihren Gemeinschaftsunterkünften nicht so oft gekloppt hätten und weniger schwarz gefahren wären. Leider werden Ihnen viele Bewohner unserer Region nicht glauben. Erstens aus politischen Gründen – der AfD spielt das nicht in die Karten. Zweitens aus medialen Gründen. Gefühlt jeder zweite Film in unserem wunderbaren Fernsehen ist ein Krimi. Die Zahl der Ermordeten und Nassgeschwitzten in der endlosen Aneinanderreihung von Krimis ist geschätzt auf 100.000 pro Jahr gestiegen. Da sind vier Ermordete in Nordhessen einfach zu wenig. Wenn dann auch noch Freunde und Verwandte zum harten Gegenstand oder Messer gegriffen haben, ist das wenig spektakulär und lässt sich auch noch einfach aufklären. Wie langweilig!

Noch schlimmer ist allerdings die Tatsache, dass der „Bratwurstkrieg von Wolfsanger“ mittlerweile alle anderen Wahlkampfthemen überlagert und sogar die Briten – dank BBC – dazu bringt, sich zu überlegen, ob wir alle einen an der Bratwurst haben.

Aufgegriffen hatten das Thema zwei CDU-Politiker der Region, die schon optisch nicht unter Bratwurstmangel leiden können. Sicher aus Sorge um ihre Leibesfülle machten sie Front gegen einen „Tag der Erde“ ohne Bratwurst. Sieben ganze lange Stunden ohne Bratwurst – undenkbar in unseren Breiten. Der Soziologe Daniel Kofahl erklärte gar in der FAZ: „Die Leute fühlen sich in ihrer Identität angegriffen. Gerade in Nordhessen ist die Wurst ein Teil der Identität.“

Da bleibt mir echt die Bratwurst weg. Die Wurst ist also ein wesentliches psychologisches und soziologisches Merkmal des Nordhessen, dass uns von allen anderen Stämmen unterscheidet. Nicht Kreativität, Fleiß, Intelligenz unterscheiden uns von anderen. Nein, die Bratwurst ist es. Da hat es auch nichts gebracht, dass es in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung stundenlang um die Wurst ging bis buchstäblich jeder seinen Senf dazu gegeben hatte.

Ein AfDler, bei dem der Bratwurstbrät offensichtlich große Teile des Gehirns verdrängt hatte, wähnte gar eine unerträgliche Einmischung von Bund und Land – eine Bratstoßlegende war fast geboren. Wir werden es überleben.

Mit knackigen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Ich schlage vor, den Herren Stefan Kortmann und Dominique Kalb die „Goldene Bratwurst“ für ihre Bemühungen um die Verbratwurstung der nordhessischen Volksseele zu verleihen.

P.P.s. BBC wird in der nächsten Folge weltweiter Absonderlichkeiten über eine App für japanische Arbeiter zur „Toilettenfindung“ informieren.

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