Briefwechsel: „Schaue, baue, was zerrissen“

Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel diese Woche an Bischof Professor Dr. Martin Hein und Bischof Heinz Josef Algermissen.

Sehr geehrter Bischof Professor Dr. Martin Hein, sehr geehrter Bischof Heinz Josef Algermissen aus Fulda, schon zum Jubiläum der Engelsburg in Kassel hatten Sie in der Martinskirche einen viel beachteten gemeinsamen Auftritt.

Für mich wurde es erst so richtig interessant, als Sie mir erzählt haben, dass Sie sonntags drauf erstmals zum Reformationsgedenken einen gemeinsamen Gottesdienst durchführen. Das musste ich mir erst mal auf der Zunge zergehen lassen.

Zum Gedenken an den großen Reformator Martin Luther feiern die evangelische und katholische Kirche in Nordhessen gemeinsam – im katholischen Dom zu Fritzlar. Und das auch noch mit den höchsten Würdenträgern beider Kirchen in der Region.

Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, denn schon als Jugendlicher – vor mehr als vierzig Jahren – habe ich mit dafür gekämpft, mit modernen Liedern gemeinsam mit den evangelischen Freunden einen Gottesdienst feiern zu können.

Schon die Einführung neuer Lieder war eine Katastrophe. Ein ökumenischer Gottesdienst lag in weiter Ferne. Und jetzt saß ich im Dom und traute meinen Ohren nicht. „Die Reformation ist eine einzige Katastrophe“, erklärten Sie, Bischof Algermissen, den staunenden Gläubigen beider Konfessionen. „Es ist Luther schließlich nicht gelungen, die Kirche zu reformieren. Nein, Sie wurde geteilt. Und es ist ein Drama, dass das nach 500 Jahren noch genauso ist.“

Sie, Professor Dr. Martin Hein, haben daran erinnert, dass im Namen des Kreuzes Christen beider Konfessionen sich auf grauenhafte Weise gegenseitig umgebracht haben. Allein die Kriegshandlungen des Dreißigjährigen Krieges – im wesentlichen ein Religionskrieg – verwüsteten auch durch die Hungersnöte und Seuchen ganze Landstriche.

In Süddeutsschland überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Und das alles nur, weil die katholische Kirche sich damals mit aller Gewalt gegen jede Änderung gestemmt hat. Es war nicht die erste Teilung der Kirche. Schon die Trennung der christlichen Gemeinschaft in eine Ost- und eine Westkirche war bitter, aber nicht zu vergleichen mit den Folgen der Reformation.

Sie, Bischof Hein, haben darauf hingewiesen, dass der ständige Zustrom muslimischer Gläubiger nach Deutschland, den Druck auf die christlichen Kirchen erhöht hat. Hinzu kommt, dass immer mehr Christen beider Konfessionen, ihren Kirchen den Rücken zudrehen. Es wird höchste Zeit, aus der 500jährigen Trennung eine wahre Reformation zu machen und wieder unter einem Dach zu beten. Mit christlichen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. „Ich würde es mir wünschen, dass in der katholischen Kirche für die evangelischen Glaubensbrüder gebetet wird und in der evangelischen für die katholischen“, haben Sie, Bischof Algermissen, erklärt. „Ich werde darauf in Zukunft achten, ob Ihr Wunsch in Erfüllung geht.“

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