Briefwechsel: Schicksal der Traditionsvereine

Sehr geehrter Martin Kind, Sie sind seit vielen Jahren der Präsident von Hannover 96 und haben bereits etliche Millionen Euro in den Verein investiert.

Als Sie 96 übernommen haben, war der Verein in einer ähnlich prekären Situation wie der KSV Hessen Kassel heute. Nein, einen Konkurs hat 96 noch nicht hingelegt, aber wenn Sie nicht gekommen wären, wäre es wohl über kurz oder lang dazu gekommen.

Wahrscheinlich haben Sie auch deshalb immer ein Herz für den KSV Hessen gehabt, der bekanntlich zweimal in der damaligen Aufstiegsrunde in die erste Bundesliga an Hannover 96 gescheitert war. Zweimal ist 96 in die Bundesliga aufgestiegen, zweimal musste der KSV in der 2. Bundesliga bleiben.

Gleich zweimal sind Sie, Herr Kind, zu einem Sponsorentreffen nach Kassel gekommen und haben darüber referiert, wie Sie die Roten aus Hannover zurück in die erste Bundesliga geführt und dort lange gehalten haben. Nach dem Abstieg sind Sie mit dem Team sofort wieder aufgestiegen und haben – wider Erwarten – die Klasse deutlich gehalten.

Leicht war das für Sie nicht, denn der harte Kern der roten Fans hat es Ihnen nicht gedankt, sondern Sie zu Ihrem absoluten Feindbild gemacht. Um Macht geht es mal wieder. Sie wollen verständlicherweise den Verein, den Sie mit viel Geld wieder aufgepeppt haben, nicht in die Hände von blutigen Amateuren geben, denen es ohne Zweifel problemlos gelingen würde, 96 wieder in die Tiefen des Fußballs zu führen. Ich bin gespannt, ob es Ihnen gelingt, die 50+1-Regelung noch vor der nächsten Saison durchzusetzen.

Von solchen Problemen kann der KSV Hessen Kassel nur träumen. Der stand eigentlich nach dem 1:4-Rückrundenauftakt bei Schott Mainz als direkter Absteiger fest, doch dann folgte eine schier unglaubliche Siegesserie. Selbst nach den 0:1 in Koblenz haben die Löwen noch alle Chancen auf den Klassenerhalt, wenn Sie das Hessenderby gegen Stadtallendorf gewinnen und einige andere Vereine auch ein wenig mitspielen.

Schön wäre es, wenn die Elf mit einem Sieg gegen Stadtallendorf ins Benefizspiel gehen könnten und sich so optimal auf das Hessenpokalfinale gegen Steinbach vorbereiten könnten. Sollte das dann auch gewonnen werden und der Einzug in die Hauptrunde des DFB-Pokals feststehen, könnte allmählich die Hoffnung aufkeimen, dass nach sieben dürren Jahren sieben fette Jahre kommen könnten.

Aber genauso schnell könnte alles verspielt werden. Wie ich Sie kenne, Herr Kind, werden Sie die Entwicklung in Ihrer „Nachbarschaft“ genau beobachten.

Mit optimistischen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Eigentlich haben Sie mit den Anfeindungen und Beleidigungen durch Ihre „Ultras“ genug zu tun. Jeder hätte Verständnis dafür, wenn Sie vom Fußball die Nase so richtig voll hätten. Deshalb gilt Ihnen ein ganz besonderer Dank der KSV-Freunde für ihre Hilfsbereitschaft

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