Briefwechsel: DFB steht unter Dauerbeschuss

Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel an Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Sehr geehrter Reinhard Grindel,

Sie sind der Präsident des mit sieben Millionen Mitgliedern größten Fußballverbandes der Welt. Das das keine einfache Aufgabe ist, haben Sie schnell gemerkt. Doch seit dem Ausscheiden der Nationalelf in der Vorrunde der Fußballweltmeisterschaft stehen Sie unter Dauerbeschuss. Nein, Sie sind nicht für die Fehlpässe verantwortlich, nicht für die vergebenen Torchancen. Aber schon bei dem Vorrundenspiel gegen Norwegen frage man sich, ob der DFB noch alles organisatorisch im Griff hat. Da sprangen zwei Sesselpupser aus der DFB-Zentrale am Spielfeldrand rum und prügelten sich fast noch mit dem Norwegen-Trainer. Ich wette, die sitzen weiter unrasiert auf ihren Stühlen. Sie hingegen, Herr Grindel, stehen mitten im Sch....regen. So eine Jahrhundertpleite ist ja schließlich Grund genug für viele Beteiligte, mal so richtig auf dem Putz zu hauen. Schließlich treten viele DFB-Verantwortliche in guten Zeiten so arrogant und hochnäsig auf, als wären sie unangreifbar.

Ihnen, Herr Grindel, könne die Özil-Affaire zum Verhängnis werden. Amateurhaft war Ihr Umgang in diesem Fall. Das Krisenmanagement des DFB erschütternd. „Da laufen nur noch Amateure rum“, hatte Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern) zurecht kritisiert. Noch schlimmer ist, dass Ihr Amateure nicht nur im Profi-Bereich rumkriechen. Schlimmer ist, dass Ihr die Fussball-Amateure im Stich lassen. Sonntag war ich in Nieste und habe mir das Pokalspiel gegen den KSV Hessen Kassel angeschaut. Da hätten Ihnen, Herr Grindel, die Ohren geklingelt. Warum? Schließlich ist der KSV eines der Opfer der DFB-Fehlentscheidung geworden, fünf Regionalligen einzuführen und die Meister nicht mehr direkt aufsteigen zu lassen. Und warum fünf Regionalligen? Weil die Oberen der größten Landesverbände eine eigene Regionalliga haben wollten. Siehe Bayern. Dass man so kaum noch aufsteigen kann .... egal!

Sonntag sollte immer der Spieltag der Amateure bleiben. Jetzt gibt es drei Bundesligaspiele. Als Dortmund gegen Schalke gespielt hat, sind im Ruhrpott dreihundert Spiele ausgefallen. Wenn ein deutscher Amateurverein das Glück hat, dass ein ehemaliger Spieler nach England wechselt, klingelt die Kasse aber mal so richtig. Wechselt ein Spieler zu einem Bundesligisten, ist die Zahlung bei 10.000 Euro gedeckelt – zum Schutz des Bundesligisten? Und Jugendliche bleiben oft bis November auf der Bank sitzen. Dann zahlt der Bundesligist gar nichts. Amateurhafter geht es nicht. Nehmen Sie Ihren Hut, Herr Grindel.

Mit fußballerischen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Der DFB ist gut bei Kasse. Einer der Gründe – in den Amateurligen glüht der Rotstift. Es hagelt für jede Kleinigkeit Strafen. Manch Ehrenamtlicher hat deshalb schon seinen Job hingeworfen. Irgendwann platzt den Leuten der Kragen.

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