Briefwechsel: Stiefkind Tourismuswerbung

Guten Tag Herr Al Wazir, Sie sind der Wirtschaftsminister des Landes Hessen und haben tatsächlich auch mal den Ausstellungsbereich Hessens auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin besucht.

Kassel.  Rund eine Stunde habe ich Sie auf dem Stand gesehen, der von den Städten Frankfurt und Wiesbaden dominiert wird, die die großen Partner des Landes sind. Kleinere Partner zahlen weniger und dürfen auch dabei sein. 200.000 Euro schießen Sie dazu, Herr Minister. Mecklenburg-Vorpommern, eines der Armenhäuser der Republik, lässt sich den wichtigen Bereich Tourismus beim Auftritt in Berlin 1,5 Millionen Euro kosten. Auch der Unterschied zwischen den Auftritten von Bayern und Hessen ist ungefähr der von „Goldmarie“ und „Aschenputtel“. Rund drei Millionen Euro sollen die Bajuwaren für ihre Halle auf den Tisch des Hauses blättern. Dafür stimmt da aber alles, ist auf’s Feinste abgestimmt, während Hessens Auftritt den schlanken Charme einer Uni-Mensa versprüht. Fehlt nur noch Stammessen I und II. Meine Oma würde jetzt sagen: „Wie man kommt gegangen, so wird man auch empfangen.“ Dass es trotz dieses Messeauftritts jährlich gelingt, die Tourismuszahlen deutlich zu steigern, ist eigentlich ein Wunder und nur dem unermüdlichen Einsatz aller Beteiligten zu verdanken, die sich trotz knapper Mittel nicht entmutigen lassen. Leicht ist das aber nicht, wenn man morgens durch farbenfrohe Kulissen von Sri Lanka und Bangladesh geht und dann an den eigenen Wänden Omas Bettdecken und kleine Bildchen sieht. Dass dieser Auftritt irgend jemanden dazu animieren könnte, Hessen zu besuchen, glauben noch nicht einmal unverwüstliche Optimisten. Ja, unser schönes Bundesland hat die Geldbörse ordentlich zugeschraubt. Da wird richtig geknausert, wohl wissend, dass die gesparten Gelder anschließend in den allgemeinen Finanztopf wandern und es MeckPomm ermöglichen, großkotzig in Berlin aufzutreten. Wie die Hessen Agentur unser Land in der Welt mit einen Etat von 1,5 Millionen Euro vermarkten will, ist mir auch ein Rätsel (600.000 Euro Personalkosten). Sogar das Saarland ist in diesem Bereich großzügiger.

Guten Tag, Frau von Obernitz, Sie sind seit einigen Wochen die Vorstandssprecherin des Regionalmanagements. Positive Signale haben Sie seitdem nicht gesetzt. Ganz im Gegenteil. So sind Sie mit dem cleveren Einfall um die Ecke gekommen, dass man im Bereich „GrimmHeimat Nordhessen“ nichts mehr machen müsse. Die Dachmarke sei ja jetzt bekannt. In welch größerem Ausmaß gilt Ihre selten pfiffige Erkenntnis erst für VW, Mercedes, Porsche. Warum machen die noch Werbung? Vielleicht sollten Sie dort mal vorsprechen und Ihr Sparkonzept vorstellen... Mit ungläubigen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur P.s. Warum waren Sie eigentlich nicht in Berlin? Wer überall mitreden will und nicht zuhören kann, sollte sich wenigstens mal informieren. Auch in Berlin.

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