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Briefwechsel: Von der Todesstrafe bis zur Bratwurst

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Von: Rainer Hahne

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Chefredakteur Rainer Hahne schreibt an Mitbürger mit türkischen Wurzeln und an nordhessische Wurstliebhaber.

Sehr geehrte Mitbürger mit türkischen Wurzeln, sehr geehrte nordhessische Wurstliebhaber,

es war mal wieder spannend, was sich an diesem Wochenende so getan hat. In Oberhausen wurde unsere Verssammlungsfreiheit aber mal so richtig schamlos ausgenutzt. Der türkische Ministerpräsident, der offensichtlich keine Lust mehr auf sein Amt hat, warb dafür, es abzuschaffen. Der Jubel war groß. Doch das war nicht alles. Immer wieder hörte man in der Mega-Halle Sprechchöre, die die Wiedereinführung der Todesstrafe gefordert haben. Geht es noch?

Liebe türkische Mitbürger, die meisten von Ihnen haben sich bei uns bestens integriert. Sie wohnen und arbeiten mit uns. Sie engagieren sich in der Kunst, im Sport, in der Politik. Doch es gibt auch andere. Wer bei uns in Deutschland die Todessstrafe für sein Heimatland fordert, sollte packen und umziehen. Schließlich möchten die doch sicher auch in den Genuss dieser Änderung kommen. Vielleicht als Henker arbeiten – köpfen, hängen, erdrosseln, erschießen, ertränken, auf den elektrischen Stuhl setzen. Ziehen Sie einfach um, in der Türkei sind hunderttausend Arbeitsplätze als Soldaten, Richter, Verwaltungsbeamte, Professoren frei geworden. Von außen hetzen genügt denen doch sicher nicht.

In der Weltgeschichte gibt es allerdings Beispiele genug dafür, dass derjenige, der die Todesstrafe gefordert hat, selbst anschließend den Kopf verloren oder vor der Wand gestanden hat. Aber ein wenig Risiko muss sein.

Die gebürtigen Kasseler, Kasseläner und Kasselaner haben derweil ein anderes Problem. Der „Tag der Erde“ in Wolfsanger am 23, April von 11 bis 17 Uhr, ausgetragen vom Umwelthaus Kassel und unterstützt vom Umwelt- und Gartenamt der Stadt soll in diesem Jahr ohne Bratwurst stattfinden. An dieser Ansage haben sich Diskussionen entflammt, die schon fast amerikanische Dimensionen haben. Wenn die ehrenamtlichen Veranstalter gewusst hätten, dass Sie, liebe nordhessische Wurstliebhaber, so an ihrem Würstchen hängen, hätten sie sicher ein kleines Plätzchen für einen Bratwurststand gefunden.

Aber Hand aufs Herz, sollten wir es nicht schaffen, mal sechs Stunden auf Bratwurst zu verzichten? Schön ist es allerdings, dass wir jetzt im Wahlkampf endlich ein Thema gefunden haben. Parkgebühren allein sind doch ein wenig dröge und auf Dauer langweilig. Da kommt die emotionale Bratwurst genau richtig.

Mit heißen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Freitagnacht in Schweden: „Schaut Euch an, was gestern Abend in Schweden passiert ist“, tönte Amerikas Präsident Trump bei der Eröffnung seines Wahlkampfes für 2020 vor rund 9000 Geistesgestörten. Was war passiert? Einem Kind war die Bratwurst ins Feuer gefallen, ein Elch hatte die Straße überquert. Trump ist ein Geschenk Gottes für die Komiker der Welt. Dass sich der schwedische Ministerpräsident gefragt hat, was Trump „geraucht“ hat , sagt alles.

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