Briefwechsel: Türkei-Desaster auf Internationaler Tourismusbörse

Chefredakteur Rainer Hahne schreibt an den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

Guten Tag, Herr Cavusoglu,

Sie sind der türkische Außenminister. Sie haben vor Tagen in Hamburg für die Umwandlung der Türkei in eine Diktatur mit eingebauter Todesstrafe geworben. Anschließend waren Sie in Berlin, haben sich in – leider nur diplomatischer – Deutlichkeit von Außenminister Sigmar Gabriel anhören müssen, dass Ihre miesen Nazi-Vergleiche eine rote Grenze sind, die Sie besser nicht überschreiten sollten.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat es noch deutlicher gesagt: „Wer uns als Nazis beschimpft, sollte sich nicht wundern, wenn er nicht willkommen ist.“ Ins Internet braucht man da erst gar nicht mehr zu schauen: „Die Meinungsfreiheit in Deutschland nutzen, um für die Todesstrafe in der Türkei zu werben und uns als Nazis beschimpfen. Diese Art von Humor mag ich“, war noch die harmlosestes Variante. Die meisten hätten Sie am liebsten „an Arsch und Kragen gepackt und rausgeschmissen“. Das große Maul aufreißen und mit wildem aggressiven Geschrei die Leute beleidigen kommt in Deutschland nicht so gut an. Das sollten Sie sich merken.

Gemerkt haben die Folgen Ihrer Pöbeleien Ihre Tourismusfachleute, die die Türkei auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin verkaufen sollen. Auch die haben Sie besucht und damit wenig Freude ausgelöst. Das große Medienaufgebot bedeutete in diesem Fall nichts gutes für den Türkeitourismus.

Schon 2016 sind rund zwei Millionen Touristen aus Deutschland weniger gekommen. 2017 sieht alles nach einem völligen Desaster aus. Der Vorverkauf ist um neunzig Prozent im Vergleich zum sowieso schon schlechten Jahr 2017 zurück gegangen. „Mitten in den wichtigsten Monaten des Vorverkaufs, wenn das ganze Jahr entschieden wird, beleidigen die unsere Kunden als Nazis“, schüttelte ein verbitterter Mann den Kopf. „Und wir sind anschließend Schuld, wenn die Zahlen nicht stimmen.“ Er mochte weder fotografiert werden, noch soll sein Name genannt werden. Die Angst geht jetzt schon um in der Türkei und in den völlig leeren, wunderschönen türkischen Werbeständen. Eine Katastrophe bahnt sich an.

Hessenhalle

Wunderschön – das kann man von der Hessenhalle wirklich nicht sagen. Es ist eine einzige Flickschusterei. Während selbst Sri Lanka und Bangladesch mit herrlichen Naturaufnahmen glänzen, mit kunstvollen Ständen, herrscht in Hessen Tristesse. Unsere Landesregierung spart an falscher Stelle. Der verantwortliche Wirtschaftsminister Al Wazir sollte sich mal die Zeit nehmen und sich die Auftritte völlig verschuldeter Bundesländer anschauen. Da könnte er lernen....

Mit touristischen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Warum Sie – und Ihr Ministerpräsident Erdogan – überhaupt so rumhetzen, ist Ihren Landleuten übrigens ein Rätsel. „Es glaubt doch wohl niemand, dass diese Wahl nicht gefälscht wird“, ist man sich sicher. „Mit der Schreierei will man wahrscheinlich davon ablenken.“

Rubriklistenbild: © Soremski

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