Briefwechsel: Undank ist der Welt Lohn

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Seinen Briefwechsel schreibt Chefredakteur Rainer Hahne diesmal an Wolfgang Linnenbrink. Der war vier Jahre lang Aufsichtsratsvorsitzender des KSV...

Sehr geehrter Wolfgang Linnenbrink,

sechs Jahre lang warst Du im Aufsichtsrat des KSV Hessen Kassel tätig, vier Jahre davon als Aufsichtsratsvorsitzender. Jetzt bist Du zurückgetreten, kümmerst Dich – Gott sei Dank – mehr um Deine Gesundheit. Doch Du bist nicht zurückgetreten, ohne dem Verein noch einmal mit einer großzügigen Spende unter die Arme zu greifen. Ob Du dafür Dank ernten wirst, sei dahin gestellt.  Doch was hat mir mal ein alter Freund gesagt, der Zeit seines Lebens ehrenamtlich tätig war: "Wer dafür Dank erwartet, sollte die Finger davon lassen oder zum Arzt gehen.” Gerade die, die nie etwas machen, wissen schließlich immer besser, wie es geht und halten mit ihrem Wissen nie hinter dem Berg.

Aber, lieber Wolfgang Linnenbrink, Du konntest Dich in einer Sitzung verabschieden, die zu großen Teilen die aktuelle Stimmung im  Verein der Nordhessen widergespiegelt hat. Hoffnung auf eine bessere Zukunft war überall mit den Händen zu greifen. Und das mit Recht. In den letzten Jahren hat der Verein – auch unter Deiner Leitung – ruhig und sachlich gearbeitet.  Das war anfangs nicht abzusehen. Ich kann mich noch gut an Sitzungen erinnern, bei denen der Vorstand "mit schusssicherer Weste und Helm”  agieren musste. Besonders ein Auftritt des ehemaligen Trainers Wolf wird mir immer in Erinnerung bleiben: "Wenn hier keiner ein Konzept hat, ich habe eins.”  Bis heute konnte nicht geklärt werden, ob er damit die Mannschaftsaufstellung gemeint hat.

Dein Versuch, mit dem ehemaligen Nationalspieler Rüdiger Abramczik mehr Fußballverstand und -kontakte  in den Verein zu holen, ist nicht zuletzt an diesem Spezialtrainer und seinen Truppen gescheitert. Kein Wunder. Den ersten Spruch von Abi Richtung Wolf werde ich nie vergessen: "Du kannst mir alles erzählen, aber erzähl mir nicht, dass das da unten irgendwas mit Fußball zu tun hat.” Egal, Du hast geschluckt, weiter gemacht, Borussia Dortmund nach Kassel geholt. Nicht selbstverständlich für jemand, der in Warburg wohnt.

Jetzt übergibst Du einen gut bestellten Verein. 87.000 Euro stehen noch auf dem Vereinsheim, sonst ist der Verein schuldenfrei. Hinzu kommen rund 400.000 Euro, die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder zinslos als Darlehen zur Verfügung gestellt haben. Alle anderen Verbindlichkeiten sind vom laufenden Haushalt gedeckt.Und jetzt kommen die Spiele gegen Paderborn, den Hamburger Sportverein, der Saisonauftakt gegen die Offenbacher Kickers und das DFB-Pokalspiel gegen Hannover 96. Da kann man in der Tat hoffnungsfroh nach vorn schauen.Wir sehen uns wieder im Auestadion!

Mit löwenstarken GrüßenRainer HahneChefredakteurP.s. Großzügig hat sich auch der ehemalige Präsident Jens Rose gezeigt und das neue Vereinsheim durch eine Sondertilgung zum Jahresbeginn weitgehen entschuldet. Vielleicht wird doch einmal gedankt. Oder?

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