Briefwechsel: Verbote muss man durchsetzen

Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel an Stadtbaurat Christof Nolda.

Sehr geehrter Stadtbaurat Christof Nolda,

in Kassel sind Sie nicht nur für den Hochbau, sondern auch für die Sauberkeit in der Stadt und in den Grünanlagen zuständig. Deshalb bin ich mit Ihnen durch die Goetheanlage gegangen. Schon im Eingangsbereich lagen Pizzaverpackungen. Direkt neben dem Mülleimer. Die Bänke sind mit Graffitis verschmiert und darunter lagen Becher, gebrauchte Tempotaschentücher, die sich dank Spezialbeschichtung wahrscheinlich nie wieder auflösen. Dieser Dreck war schon wieder da, obwohl nur wenige Stunden vorher die Mitarbeiter des Grünflächenamtes stundenlang gereinigt haben.

Ich frage mich immer wieder, was für eine Kinderstube die Menschen hatten, die es immer wieder schaffen, in wenigen Stunden aus einer gepflegten Grünanlage eine Müllhalde zu machen. Natürlich haben Sie, Herr Nolda, recht, wenn Sie sagen, dass doch jeder bitte seinen Müll mit nach Hause nehmen und dort entsorgen solle. Das tuen aber immer weniger. Noch schlimmer ist es geworden, seitdem es diese idiotischen Einweggrills aus Aluminium gibt, die meist direkt auf den trockenen Rasen gestellt und nach der Nutzung einfach liegen gelassen werden. Jetzt hat die Stadt wegen der herrschenden Trockenheit das Grillen in den Grünanlagen verboten. Und was war? In einigen Bereichen wurde kontrolliert, da klappte das tatsächlich, In anderen Bereichen wurde munter weiter gekokelt.

Herr Nolda, in meiner längst vergangenen Bundeswehrzeit habe ich mal gelernt, dass ein Vorgesetzter, der einen Befehl gibt, diesen durchsetzen muss, weil er sich sonst zum Affen macht. Auf die Stadt Kassel übertragen bedeutet das: „Wenn in der Innenstadt tausende Kippen weggeworfen werden und Straßen und Plätze versaut werden und eine saftige Geldstrafe dafür ausgeschrieben werden kann, dann sorgen Sie gefälligst dafür, dass das auch umgesetzt wird. Wenn Saufereien verboten werden, dann sorgen Sie bitte dafür, dass nicht gesoffen wird. Und wenn es verboten ist, Abfall einfach in die Gegend zu feuern, dann sorgen Sie dafür, dass es Strafen hagelt. Immerhin können je nach Umfang der Sauereien Strafen bis 5000 Euro ausgeschrieben werden.“

Also ran, Herr Nolda. Schnappen Sie sich Ihre Mitdezernenten, die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die Mitarbeiter der Stadtreinigung, und räumen Sie auf! Verbieten Sie grundsätzlich den Einsatz von Einweggrills in den städtischen Grünanlagen. Das ist sowieso pervers hoch drei, wenn ich sehe, was da für ein Dreck übrig bleibt. Tun Sie etwas. Unser Oberbürgermeister wird Sie sicher gern dabei unterstützen.

Mit sauberen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Natürlich ist es angenehmer Knöllchen im ruhenden Verkehr zu verteilen. Autos meckern nicht. Aber es gibt wichtigeres. Wenn nicht bald energisch durchgegriffen wird, wird Kassel ein Dreckloch werden.

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