Briefwechsel: Verschlossene Türen am Herkules an Silvester

Diese Woche richtet Chefredakteur Rainer Hahne seinen Briefwechsel an den Geschäftsführer von Kassel Marketing Andreas Bilo.

Sehr geehrter Andreas Bilo,

Sie sind der Geschäftsführer von Kassel Marketing und somit für die Vermarktung der Stadt und für die touristischen Aktivitäten zuständig. Über Silvester waren Sie in Ihrer alten Heimat Koblenz. Schade eigentlich, denn ausgerechnet aus Koblenz war eine ganze Busladung Touristen, die ich in der Markthalle getroffen habe. Die Damen und Herren waren leicht verzweifelt. Zwar freuten sie sich bereits auf die zahlreichen Silvesteraktivitäten im Hotel "Wyndham Garden", vorher hätten sie aber zu gerne etwas von der hochgelobten Stadt Kassel gesehen.

Doch das war nicht so einfach wie sie sich das gedacht hatten. Zuerst hatten sie an einer Stadtführung teilgenommen. Waren beeindruckt. Doch spätestens am Herkules war Schluss damit. Der Herkules war bereits im Winterschlaf und das angeschlossene Besucherzentrum an diesem Tag geschlossen.Zurück in der Stadt wurde ihnen die Markthalle empfohlen. Doch auch dort hieß es bald: Türen zu. Schließlich wollen auch Standbetreiber feiern, auch wenn die Halle noch gut besucht war.

Anschließend mußte man schon Einheimischer sein, um in unserer weltoffenen Stadt noch ein geöffnetes Türchen zu finden. Das Fridericianum hatte wie üblich geöffnet und wurde fast überrannt. Die GrimmWelt schloss an diesem Tag etwas früher um 14 Uhr. Bis dahin waren bereits 198 Besucher dort gewesen. Alle anderen Häuser waren dicht. Absolut dicht. Geschlossen.

Jetzt sind Sie dran, Herr Bilo. Irgend jemand mus schließlich die Aktivitäten in dieser Stadt koordinieren. Es kann doch nicht so schwer sein, dafür zu sorgen, dass die Hälfte der Museen Silvester und die andere Hälfte Neujahr aufmacht. Müssen denn fast alle gleichzeitig schließen?

Aussagen wie "Das haben wir schon immer so gemacht" sind in diesem Zusammenhang nicht zielführend. Kassel hat sich geändert. Der Bergpark ist Weltkulturerbe. Das muss optimal vermarktet werden. Das kann die Museumslandschaft Hessen Kassel nicht allein. Für mich gehören Museumsbesuche und Stadtführung einfach zusammen. Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass die Stadtführung zum Herkules führt und dann dort oben alles geschlossen ist. Es gibt – kaum zu glauben – gelegentlich mal Menschen, die neben der Information auch gern die Toilettenanlage aufsuchen.

Hier muss gefragt werden, ob die Zusammenarbeit zwischen Kassel Marketing, der Museumslandschaft Hessen Kassel und der GrimmHeimat Nordhessen optimal ist. Erst wenn alles ineinander greift, kann man einen ungetrübten Urlaubsgenuss organisieren.

Mit touristischen GrüßenRainer HahneChefredakteur

P.s. Der Weihnachtsmarkt war übrigens mal wieder erstklassig und trotz des Berliner Terroraktes bestens besucht. Daran kann man 2017 anknüpfen. Überlegen sollte sich allerdings die Feuerwehr, ob sie megabreite "Einflugschneisen" braucht.

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